E-Portfolio zur Dissertation

von Klaus Himpsl-Gutermann

E-Portfolios in der universitären Weiterbildung

Studierende im Spannungsfeld von Reflexivem Lernen und Digital Career Identity

Shortcut: http://www.himpsl.at/diss/
veröffentlicht: März 2012

Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien der Donau-Universität Krems habe ich u.a. zwei berufsbegleitende Master-Lehrgänge geleitet, in denen E-Portfolios implementiert wurden. Dem Konzept des E-Portfolios stand ich bei meiner Erstbegegnung im Jahr 2006 eher skeptisch gegenüber. Durch die intensive Beschäftigung damit in Forschungsprojekten und in der eigenen Lehre hat sich meine Position dazu verändert. Das vorliegende Dissertationsprojekt wurde im Januar 2008 im Rahmen des DoktorandInnenkollegs Lifelong Learning gestartet und im März 2012 mit Auszeichnung abgeschlossen.

Mehr über mich und meine Arbeitsschwerpunkte erfahren Sie in
meinem Präsentationsportfolio!

Univ.-Prof. Dr. Peter Baumgartner

Leiter des Departments für Interaktive Medien und Bildungstechnologien

Donau-Universität Krems

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Wilhelm Berger

Prodekan der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Aktueller Tweet

phd thesis of @ is a great read on the implementation of #eportfolio and #mahara http://t.co/1Oi9Ww28
@anitsirk
Kristina DC Hoeppner

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

als ich im Jahr 2006 im Zusammenhang mit der Kampagne „ePortfolio for all“ dem Konzept des E-Portfolios zum ersten Mal begegnete, war meine persönliche Skepsis zugege­benermaßen groß. Was sollte das Anlegen eines solchen E-Portfolios bringen? Erst in der vertiefteren Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, zu der ich im Rahmen von Forschungsprojekten gezwungen war, erkannte ich die Wurzeln in der traditionellen, papierbasierten Portfolioarbeit und das reformpädagogische Potenzial dahinter, das durch die Verbindung mit den Einsatzmöglichkeiten neuer Medien eine völlig neue Dimension erfährt. Mit zunehmender Begeisterung wagte ich mich auch im eigenen Lehrumfeld daran, E-Portfolios einzuführen, wobei ich – Ayalas Meta-Studie „E-Portfolios for Whom?“ warnend vor Augen – stets darauf bedacht war, den Blick vor allem auf die Lernenden und deren Ziele zu richten. Im Master-Lehrgang eEducation, dessen Leitung mir am Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien der Donau-Univer­sität Krems 2008 übertragen worden war, entstand im Rahmen eines Ak­tions­forschungsprojektes unter Partizipation der Studierenden eine E-Port­folio-Implementierung, die bereits im zweiten Zyklus zu einer „vollen“ Inte­gration des E-Portfolios auf Studiengangsebene führte: curricular, didaktisch, als Teil der virtuellen Lernumgebung und des Assessments. Formal kann die Einführung aus Sicht der Institution als erfolgreich eingestuft werden – aber wie sieht es aus der Perspektive der „Betroffenen“ aus? Welcher Nutzen er­gibt sich tatsächlich für die Lernenden, im Studium und darüber hinaus im Sinne des Lifelong Learning? Diese Frage stand in den letzten vier Jahren im Mittelpunkt meines Dissertationsvorhabens, zu der ich ohne die Unterstüt­zung der Studierenden aus „eEducation, MA“, insbesondere aus den ersten beiden Jahrgängen, keine Antworten geben könnte. Ihnen gebührt der größte Dank, dass sie sich auf das „gemeinsame Abenteuer E-Portfolio“ eingelassen haben! 

Dieses E-Portfolio gewährt einen Einblick in mein Dissertationsvorhaben und präsentiert die zentralen Ergebnisse - die vollständige Thesis ist im vwh-Verlag erschienen und kann über den Link rechts bezogen werden. Viel Vergnügen beim Lesen wünscht

Klaus Himpsl-Gutermann

Im Mittelpunkt des Dissertationsvorhabens stand ein dreijähriges Aktionsforschungsprojekt im berufsbegleitenden Master-Lehrgang „eEducation, MA zur Entwicklung, Implementierung und insbesondere Analyse eines integrativen E-Portfolio-Konzepts für die universitäre Weiterbildung. Integrativ be­deutet, dass das E-Portfolio sowohl curricular als auch didaktisch auf meh­reren Ebenen im Studiengang verankert ist. Der Fokus der Forschungsfragen und das Forschungsdesign wurden dabei so ausgerichtet, dass der Nutzen und die Bedeutung des E-Portfolios für die Studierenden im Vordergrund stan­den. Die abschließende Analyse stützte sich deshalb unter Anwendung der Grounded-Theory-Methodik im Wesentlichen auf qualitative Interviews mit Alumni aus zwei Jahrgängen. Neben unmittelbaren Handlungsempfehlungen für die Einführung von E-Portfolios aus der präzisen Beschreibung von Problemfeldern, erfolgskritischen Faktoren und Strategien der Studierenden lie­fert die Dissertation Beiträge zur Theorie von E-Portfolios in Form von drei Modellen. Zentrales Ergebnis der empirischen Studie ist ein 4-Phasen-Mo­dell, das die längerfristige E-Portfolio-Verwendung der Studierenden in den vier Phasen „sich orientieren“, „sich positionieren“, „sich identifizieren“ und „sich präsentieren“ beschreibt. Vor allem in der zweiten Phase offenbaren sich dabei die Spannungsfelder des E-Portfolios zwischen reflexivem Lernen und der Entwicklung einer „digital career identity“.

Die empirische Studie zeigte außerdem, dass die Gestaltung des Portfolios in der Orientierungsphase und zur Identifikation eine wichtige Rolle spielte und der Umgang mit der Reflexion für die Studierenden die größte Schwierigkeit darstellte. Zur Präzisierung gängiger Visualisierungen aus der bestehenden E-Portfolio-Fachliteratur wurden daraus zwei weitere, sich ergän­zende Modelle entwickelt. Das Prozess-Modell rückt die Begriffe „Gestal­tung“ und „Feedback“ in den Vordergrund und beschreibt einen E-Portfolio-Prozess in den zwei Hauptzyklen „Design“ und „Re-Design“. Das Struktur-Modell besteht aus den drei Schichten „Products of Learning“ (Repository), „Process of Learning“ (Journal) und „Representation of Learning“ (Show­case), die übereinander angeordnet sind. Das Struktur-Modell bietet Anknüp­fungs­punkte zu den einzelnen Schritten des Prozess-Modells und beschreibt insbesondere, wie der eigene Lernprozess von der mittleren Ebene aus beob­achtet, reflektiert und gesteuert werden kann.

Dr. Sandra Hofhues
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAW Hamburg
erschienen am 20.09.2012 in der Zeitschrift MedienPädagogik
Link zur Rezension (PDF, 209kB)

Sandra Hofhues

Dr. Veronika Doblhammer
Entwicklerin  für digitale und gedruckte Lehrmedien
Alumna von eEducation5
Link zur Rezension (PDF, 35kB)

Central to this dissertation was a 3-year action research project, which was carried out in the extra-occupational master study course, “eEducation MA”, with the aim to develop, implement and, in particular, analyze an integrative eportfolio concept for academic qualification. Integrative means that the eportfolio is academically as well as didactically rooted, on various levels, in the curriculum. The research questions and design focused on the benefit and relevance of the eportfolio for students. The final analysis, therefore, relies on qualitative interviews that were carried out with alumni from two different age groups, primarily using the Grounded Theory Methodology. Resulting from their descriptions of problem areas, critical factors as well as learning strategies, this dissertation provides direct recommendations for the implementation of eportfolios as well as various contributions concerning the theory of eportfolios in the form of three models. The main result of the empirical study is a 4-phase-model, which describes the long-term use of eportfolios from the perspective of students according to four phases: “orientate yourself”, “position yourself”, “identify yourself” and “present yourself”. Especially in the second phase, areas of conflict in the eportfolio become noticeable between reflexive learning and the development of a “digital career identity“.

Apart from that, the empirical study shows that the design of the portfolio was of crucial importance in the phase of orientation and identification, and that the students encountered the most difficulties with the process of reflection. In order to specify well-established visualizations of present eportfolio literature, two further models were developed which complement one another. The Process Model emphasizes the terms “design” and “feedback” and describes the eportfolio process in two main cycles: “design” and “re-design”. The Structure Model consists of three layers called “Products of Learning“ (Repository), “Process of Learning“ (Journal) und “Representation of Learning“ (Showcase), which are arranged one upon the other. The Structure Model provides links to the individual steps of the Process Model and, in particular, illustrates how from the middle level  one’s own learning process can be observed, reflected and navigated.

Further material in English you can find here in my presentation for the ePIC Conference 2012 in London.

Der berufsbegleitende Master-Lehrgang eEducation, in dessen Studiengangskonzept das E-Portfolio 2008 integriert wurde, wurde heuer bereits zum siebten Mal angeboten. Der Studiengang beschäftigt sich mit dem "Lehren und Lernen mit Neuen Medien" und beleuchtet das Thema "eLearning" aus verschiedenen Perspektiven. Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, so informieren Sie sich auf der Lehrgangshomepage - der nächste Start ist für April 2014 geplant.

Sofern nicht ausdrücklich andere Quellen angegeben sind, ist Klaus Himpsl-Gutermann der Urheber der in diesem E-Portfolio präsentierten Inhalte und Grafiken. Diese stehen unter einer Creative Commons Lizenz mit den Attributen "Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0".

Dissertation, E-Portfolio, ePortfolio, Blended Learning, Higher Education, Reflexion, Assessment, Lernkultur, Identität, Weiterbildung

Feedback

Paul Wasko

Having worked with eFolioMinnesota for years, I appreciate and support your prototypical portfolio process model.  Nicely done!

 

Paul Wasko

paul.wasko@so.mnscu.edu

Evelyn Dechant-Tucheslau

Lieber Klaus,

ich gratuliere herzlichst zur gelungenen Diss! Klingt sehr spannend und macht Lust darauf, sich auch im Schulkontext weiterhin mit der Materie auseinanderzusetzen.

Liebe Grüße,

Evelyn

Gelöschte/r Nutzer/in - 10. Januar 2013, 13:34 [Aktualisiert: 16. Januar 2013, 21:16]

Sehr geehrter Herr Himpsl-Gutermann!

Mein Name ist Johanna Augesky. Ich bin Schülerin der Modeschule Herbststraße und recherchiere im Zuge meines "Portfolio-Unterrichtes" Beispielportfolios. Ich wurde ermuntert Feedbacks zu geben und Beiträge zu kommentieren.

Diesbezüglich ist mir aufgefallen dass sich Fotos und Bilder Ihrer Seite verschoben haben bzw. verschoben angezeigt werden. Vielleicht gab es einen Fehler in der Formatierung?!

In anderen Kapiteln (zB Forschungsdesign) halte ich die Gesamtformatierung für nicht ganz geglückt. Das Auge wird von zu vielen Grafiken und Texten abgelenkt. Man versucht gleichzeitig die Grafik in der linken Spalte und die Tabelle in der 2. Spalte zu verarbeiten und fühlt sich etwas überlastet.

Ich hoffe Sie können meinen Kommentar zur Verbesserung Ihres Portfolios gebrauchen.

Beste Grüße, Johanna Augesky

Klaus Himpsl-Gutermann - 16. Januar 2013, 21:33

Hallo Frau Augersky,

zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit und die Mühe gemacht haben, mein Portfolio zu analysieren und einen Kommentar zu verfassen.

Bei Ihrem ersten Punkt sprechen Sie ein Gestaltungsproblem im Spaltenlayout von Mahara an: Dort funktioniert das automatische Anpassen der Spaltenbreite nämlich gut, wenn man in einer Box nur Text verwendet oder nur ein einzelnes Bild ablegt - wenn man so wie ich hier Text und Bild kombiniert, gibt es bei kleinerer Bildschirmauflösung unschöne Überlappungs- und Verschiebungseffekte.

Beim zweiten Punkt gebe ich Ihnen Recht, die Grafiken sind nicht alle selbsterklärend und sollten wahrscheinlich mit kurzen Texten zur Erklärung ergänzt werden.

Das ist insgesamt der schwierigste Punkt für mich bei diesem "Dissertationsportfolio": das Wesentliche meines Dissertationsvorhabens knapp und übersichtlich zu präsentieren, so dass der Leser/die Leserin sich ein Urteil bilden kann, ob es sich lohnt, in die Dissertation selbst einen Blick zu werfen.

Liebe Grüße
Klaus Himpsl-Gutermann

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