E-Portfolio zur Dissertation

von Klaus Himpsl-Gutermann

E-Portfolios in der universitären Weiterbildung

Studierende im Spannungsfeld von Reflexivem Lernen und Digital Career Identity


Shortcut: http://www.himpsl.at/diss/
veröffentlicht: März 2012

Verhältnis von Theorie, Praxis und wissenschaftlichem Anspruch im modu- laren Aufbau des Lehrganges eEducation
Verhältnis von Theorie, Praxis und wissenschaftlichem Anspruch im modu- laren Aufbau des Lehrganges eEducation

Collins, Greeno und Resnick (1994) unterscheiden nach ihrem Haupteinsatzzweck drei Gruppen von Lernumgebungen: Erstens gibt es Umgebungen, in denen die Kommunikation unter den Lernenden im Vordergrund steht. Als zweiter Typ werden Umgebungen genannt, in denen die Lernenden Probleme lösen, entweder durch Interaktion mit Aufgaben und Übungen oder durch selbständiges Arbeiten an Projekten. Und drittens gibt es Umgebungen, in denen die Lernenden einzelne bestimmte Leistungen zu erbringen haben, um zum Beispiel eine Prüfung abzulegen. Eine Lernplattform wie Moodle erfüllt die Anforderungen für alle drei dieser Gruppen. Dennoch wurde beim ersten Start des Lehrganges in eEducation1 als zusätzliche Plattform MediaWiki installiert, um die direkte Kollaboration in der Lerngruppe und gemeinsame Textproduktion in einem Wiki zu fördern. Um das reflexive Lernen und die persönliche Entwicklung der Studierenden zu stärken, wurde die E-Portfolio-Software Mahara zur dritten Säule der virtuellen Lernumgebung des Lehrganges eEducation.

Die virtuelle Lernumgebung des Lehrgangs wurde, abgeleitet von den Anfangsbuchstaben der verwendeten Software, Triple-M genannt – sie besteht aus den drei Säulen LMS/LCMS Moodle, E-Portfolio-Software Ma­hara und Kollaborationsplattform MediaWiki (siehe Abbildung rechts). Die „Schaltzentrale“ des Studiums ist Moodle, das als LMS für das Lehrgangsmanagement eingesetzt wird und als LCMS den einzelnen Vortragenden für die Gestaltung ihrer Kurse dient. Moodle ist also vorrangig Werkzeug für die Lehrgangsleitung und die Dozierenden, dies soll die Abkürzung „T“ für „Teacher“ in der oberen Ecke des Dreiecks verdeutlichen. Die Studierenden interagieren auf der Lernplattform mit dem Kursangebot, wobei sich die Art der Lernaktivitäten, abhängig von den gewählten didaktischen Szenarien in den einzelnen Modulen, stark unterscheiden kann. Dabei steht in allen Modulen die Kommunikation mit und in der Lerngruppe, vor allem asynchron über Diskussionsforen, im Vordergrund. Die E-Portfolio-Software Ma­hara als zweites Standbein ist stärker lerner/innenzentriert (Abkürzung „L“ für „Learner“). In einzelnen Portfolioansichten dokumentieren und reflek­tieren die Studierenden ihre persönlichen Lernaktivitäten zu jedem Modul und präsentieren gleichzeitig ihre Lernergebnisse. Mahara kann somit einer­seits als wichtiger Bestandteil der persönlichen Lernumgebung (PLE) ge­sehen werden, während andererseits die für andere zugänglichen Teile des Port­folios vorrangig dem Assessment dienen, unterstützt durch eine Peer Review. Die Wiki-Plattform schließlich kommt in einigen Modulen punktuell immer dann zum Einsatz, wenn direkte Kollaboration in der Gruppe geplant ist (Abkürzung „G“ für „Group“). Im Gegensatz zum E-Portfolio tritt beim Wiki die persönliche Autoren-/Autorin­nenschaft in den Hintergrund.

In obiger Abbildung ist ein typischer Verlauf für ein 3-ECTS-Modul skizziert, mit einem Präsenztag, der sich in etwa in der Mitte des gesamten Modulzeitraumes befindet. Die Online-Phasen vor und nach dem Präsenztag werden über die Lernplattform Moodle begleitet. Dort findet sich in den Kursmaterialien auch die Modulbeschreibung, die als Ausgangspunkt für die Portfolioarbeit dient. Die ersten beiden Monate dienen der Aktivierung des Vorwissens und der Vorbereitung auf den Präsenztag, beispielsweise mit einem Literaturstudium (15h) im ersten Monat und einer Online-Forumsdiskussion (15h) im zweiten Monat. Der Präsenztag (10h) selbst wird mit Vorträgen, Diskussionsrunden und Übungen in Gruppenarbeit methodisch abwechlsungsreich gestaltet. In der Nachphase stehen Anwendung, Vertiefung und Transfer des neu Gelernten im Vordergrund, beispielsweise durch eine Online-Gruppenarbeit im Wiki (15h) im ersten Monat und eine individuelle Seminararbeit (10h) im zweiten Monat. Die Portfolioarbeit wird von den Studierenden selbstorganisiert neben dem moderierten Modulablauf vorgenommen. Nach Abschluss der letzten geplanten Lernaktivität – in diesem Fall nach der Fertigstellung der Seminararbeit – gibt es einen ersten Fertigstellungstermin für die Portfolioansicht. Anschließend folgt eine Peer-Review-Schleife, ehe die Portfolioansicht endgültig zur Beurteilung eingereicht wird. Für den Ablauf der E-Portfolio-Arbeit werden als Orientierung die Prozesskomponenten nach Häcker (2007: 145) herangezogen, der einen Zirkel in sechs Schritten vorschlägt: Context Definition, Collection, Reflection, Selection, Projection, Presentation.

  • Anderson, Lorin W. & David R. Krathwohl (2001). A taxonomy for learning, teaching, and assessing: a revision of Bloom’s taxonomy of educational objectives. New York: Addison Wesley Longman.

  • Collins, Allan, James G. Greeno, & Lauren B. Resnick (1994). Learning Environments. In T. N. Postlethwaite & T. Husen (Hrsg.), The International Encyclopedia of Education, Second Edition: 12-Volume Set (2. Aufl., 3297-3302). Oxford, England: Pergamon.
  • Euler, Dieter & Sabine Seufert (2004). Von der Pionierphase zur nachhaltigen ImplementierungFacetten und Zusammenhänge einer pädagogischen Innovation. In: D. Euler & S. Seufert (Hrsg.), E-Learning in Hochschulen und Bildungszentren (3–24). München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH.

  • Himpsl-Gutermann, Klaus & Stefan Schnabl (2012, in Druck). Tutorials mit Screenrecording und Wiki. Einführung von Studierenden eines berufsbegleitenden Weiterbildungslehrganges in das Arbeiten mit MediaWiki. In: A. Sporrer, M. Beißwenger & N. Anskeit (Hrsg.), Wiki-Hypertexte in Lehr-/Lernkontexten. Boizenburg: Verlag Werner Hülsbusch.
  • Himpsl-Gutermann, Klaus, Edith Blaschitz, Ruth Gutermann & Peter Baumgartner (2011). Blended Learning in der universitären Weiterbildung. Erfolgsfaktoren eines berufsbegleitenden Studienangebots am Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien der Donau-Universität Krems. In: U. Dittler (Hrsg.), E-Learning: Einsatzkonzepte und Erfolgsfaktoren des Lernens mit interaktiven Medien (3. Aufl., 65–81). München: Oldenbourg Verlag.

  • Kerres, Michael, Nadine Ojstersek, Annabell Preussler & Jörg Stratmann (2009). E-Learning Umgebungen an Hochschulen: Lehrplattformen und persönliche Lernumgebungen. In: U. Dittler, J. Krameritsch, N. Nistor, C. Schwarz & A. Thilosen (Hrsg.), Ein kritischer Blick auf E-Learning an deutschsprachigen Hochschulen als Basis eines Aufbruchs (101–115). Münster: Waxmann.

  • Ojstersek, Nadine (2009). Betreuungskonzepte beim Blended Learning. Gestaltung und Organisation tutorieller Betreuung. Medien in der Wissenschaft (2. Aufl., Bd. 41). Münster: Waxmann.

  • Sankofi, Martin & Petra Szucsich (2007). Blended Learning Modelle in der universitären Ausbildung am Fallbeispiel einer zertifizierbaren Fortbildungsmaßnahme für FremdsprachenlehrerInnen an der Donau-Universität Krems (Master Thesis). Donau-Universität Krems, Krems. http://szucsich.sankofi.com/Masterthese_Sankofi_Szucsich_02_10_07.pdf [11.07.2009].
Tutorielles Betreuungskonzept im Lehrgang eEducation   (eigene Darstellung, angelehnt an Ojstersek 2009: 130)
Tutorielles Betreuungskonzept im Lehrgang eEducation (eigene Darstellung, angelehnt an Ojstersek 2009: 130)
Triple-M – die virtuelle Lernumgebung des Lehrganges eEducation
Triple-M – die virtuelle Lernumgebung des Lehrganges eEducation
Umsetzung von Portfolioprozessen mithilfe der Software Mahara  in den Modulen des Lehrganges eEducation  (eigene Darstellung, Prozesskomponenten nach Häcker 2007: 145)
Umsetzung von Portfolioprozessen mithilfe der Software Mahara in den Modulen des Lehrganges eEducation (eigene Darstellung, Prozesskomponenten nach Häcker 2007: 145)
  • Baumgartner, Peter, Klaus Himpsl & Sabine Zauchner (2009). Einsatz von E-Port­folios an (österreichischen) Hochschulen: Zusammenfassung – Teil I des BMWF-Abschlussberichts „E-Portfolio an Hochschulen“: GZ 51.700/0064-VII/10/2006. (Forschungsbericht). Krems: Department für Interaktive Medien und Bildungs­tech­nologien, Donau Universität Krems. http://www.pe­ter.baum­gart­ner.name/ Mem­bers/baumgartner/news/e-portfolio-forschungsbericht-und-pub­li­kationsstra­tegie/ [02.11.2009].

  • Baumgartner, Peter & Klaus Himpsl-Gutermann (2011). Implementierungsstrategien für E-Portfolios an (österreichischen) Hochschulen. In: T. Meyer, K. Mayrberger, S. Münte-Goussar & C. Schwalbe (Hrsg.), Kontrolle und Selbstkontrolle: Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen (203–223). Wiesbaden: VS Verlag.

  • Häcker, Thomas (2007a). Portfolio: ein Entwicklungsinstrument für selbstbestimmtes Lernen: Eine explorative Studie zur Arbeit mit Portfolios in der Sekundarstufe I. Schneider Verlag Hohengehren.

  • Himpsl, Klaus (2008). Beschreibung von Implementierungsstrategien und notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen – Teil IV des BMWF-Ab­schluss­berichts „E-Portfolio an Hochschulen“: GZ 51.700/0064-VII/10/2006 (For­schungsbericht). Krems: Department für Interaktive Medien und Bildungstech­nologien, Donau Universität Krems.

  • Himpsl, Klaus (2010). E-Portfolios in berufsbegleitenden Studiengängen zu Neuen Medien. MedienPädagogik – Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 18 (Neue Medien und individuelle Leistungsdarstellung – Möglichkeiten und Grenzen von ePortfolios und eAssessments). http://www.medienpaed.com/18/himpsl1004.pdf [22.04.2010].

  • Himpsl, Klaus & Peter Baumgartner (2009). Evaluation von E-Portfolio-Software – Teil III des BMWF-Abschlussberichts „E-Portfolio an Hochschulen“: GZ 51.700/0064-VII/10/2006 (Forschungsbericht) (94). Krems: Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien, Donau Universität Krems. http://www.bildungstechnologie.net/blog/evaluation-von-e-portfolio-software-abschlussbericht [10.06.2009].
  • Hornung-Prähauser, Veronika, Guntram Geser, Wolf Hilzensauer & Sandra Schaf­fert (2007). Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Port­folio-Implementierungen an Hochschulen. Salzburg: Salzburg Research Forschungs­gesellschaft. http://www.fnm-austria.at/projekte/ePortfolio/Dateiablage/view/fnm-austria_ePortfolio_Studie_SRFG.pdf [16.02.2008].

  • Ravet, Serge (2007b). E-Portfolio Position Paper. http://www.eife-l.org/publications/eportfolio/documentation/positionpaper/view [21.07.2007].

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