Coworking

von Thomas Fernsebner, M.A.

recording_10-nov.-16_12-22-29

 

B1: Jetzt sagt keiner mehr was. Oder?  

 

I: Nein. Nein, diese neuen Lebensformen, so hat mich unserer Prof drauf gebracht. Der hat dann gesagt/ Der mich betreut, das ist ja der Baumgartner, der das Thema E-Learning in Deutschland auch vorangetrieben hat. Im Sinne der Fernuni Hagen, war er ja der erste, die das so als eigenen Studiengang gemacht hat, E- Education. Und der hat gesagt: Ja, es gibt halt durch die Technologisierung, durch die Digitalisierung auch neue Lebensformen. Und er hat gesagt: Dies ist ganz spannend, dass nicht immer alles so funktioniert, dass es ein Büro gibt und dort muss man Kohorten mäßig/ wird man da eingespannt und man muss am Morgen einstempeln, abstempeln. Die Leute suchen nach neuen Lebensformen. Ja.  

 

B1: Ich habe ja zum Beispiel auch die Erfahrung gemacht, wenn man sich als Firma jetzt, zum Beispiel, auf ein Home-Office einstellt, weil vielleicht die Familie jetzt irgendwie Kinder bekommen hat und die Frau sagt: Okay, ja, Anfahrtsweg zur Arbeit ist viel zu weit. Dann ist es relativ viel Aufwand zu sagen: Okay, ich organisiere dir jetzt so ein Home-Office. Also je nach Job halt. Nicht?  

 

I: Ja.  

 

B1: Für den einen reicht es dann halt, wenn du dem den Laptop mitgibst. Bei dem anderen hast du vielleicht ein bisschen kritische Datenthemen, so dass du das dann erst irgendwie noch großartig ausarbeiten musst. Dann hat man ja in Deutschland auch einen Wust an Arbeitssicherheitsbestimmungen, die du dann ja auch wieder erfüllen musst. Das heißt, du musst dann auch die Möbel stellen, die Quadratmeter Zahlen müssen passen. Das ist völliger Wahnsinn. Und wenn du das Ding dann in mühsamer Kleinarbeit dann mal durch hast und die Dame probiert das dann und arbeitet drei Jahre und dann kommt das Kind aus dem Kindergarten in die Schule, hat sie komplett neues/ also komplett neue familiäre Situation. Also die braucht da eigentlich schon wieder etwas anderes. Und da ist es für eine Firma, aus Firmensicht, meiner Meinung nach, extrem schwierig da immer hinterher zu kommen. Und es ist auch sehr schwierig auf diese individuellen Bedürfnisse einzugehen. Zumal es ja teilweise Lösungen gibt, an die hat noch kein Mensch gedacht. Die sind halt nicht standardisiert. Und ich denke, ein Co-working Space ist da eine gute Möglichkeit, um das mal auszuprobieren. Das ist A, es ist nicht wirklich Home-Office. Du hast halt die Infrastruktur gegeben. Das heißt, du kannst dich wirklich relativ unkompliziert reinsetzen. Da werden halt auch Firmen die Möglichkeit gegeben zu sagen: Wenn ihr wollt, mietet ihr bei uns zwei, drei Plätze an. Und dann können das die Mitarbeiter die sagen: Wir sind jetzt vielleicht aus Erfurt, haben aber unseren eigentlichen Arbeitsplatz in Nürnberg. Und es ist ziemlich viel Aufwand immer die ganze Woche von der Familie weg zu sein. Wir würden gern mal Home-Office probieren. Es ist einfacher denen einen Co-working Space zu setzen, dass du das mal austesten kannst für zwei Tage die Woche meinetwegen.  

 

I: Ja  

 

B1: Als denen das ewig einzurichten. Oder vielleicht dann auch andere Möglichkeiten zu finden. Nicht? Also sonst mal grob Telearbeit, in Anführungszeichen. Diese Möglichkeit wollen wir zum einen auch Firmen bieten. Und dann tatsächlich/  

 

B2: Da haben wir übrigens auch schon Anfragen.  

 

B1: Genau  

 

B2: Zu dem Thema.  

 

B1: Und tatsächlich/  

 

B2: Also es gibt halt schon Firmen die anfragen, ob sie ihre Mitarbeiter bei uns platzieren können.  

 

B1: Und es gibt ja, meiner Meinung nach, also dieses ganze Thema New Work wird ja teilweise schon sehr viel besprochen. Aber es ist ja immer ein Unterschied ob ich über ein Thema rede, oder ob ich tatsächlich mal etwas ausprobieren kann.  

 

I: Mhm (bejahend)  

 

B1: Ich habe damals auch gedacht: Home-Office muss ein Traum sein. Ein absoluter Traum muss das sein. Du bist immer zu Hause. Du kannst alles nebenbei machen, hast keine langen Wege. Und nach einem Jahr Home-Office habe ich gedacht: Das kann es jetzt nicht sein. Ich vereinsame hier total. Und ja, na klar, ich sehe den ganzen Tag meine Wäscheberge, ich sehe den ganzen Tag den Staub auf dem Regal rumliegen. Und dann bist du halt eh da. Das heißt alle, der Rest der Familie denkt sich: Ach, die Mama ist ja eh da, da kann die das mitmachen. Also es war nicht annähernd so entspannend und relaxt, wie ich mir das vorgestellt habe. Es war tatsächlich eher sehr anstrengend, weil mir der Kontakt gefehlt hat zu anderen Leuten. Weil ich dann tatsächlich diese fünfzig Sachen auch noch ständig gesehen habe. Und das habe ich aber herausgefunden durch das Ausprobieren. Und wie oft hat man denn die Gelegenheit, dass einfach mal so auszuprobieren? Und diese Möglichkeit wollen wir schon auch geben. Nicht? Also ob das jetzt der Vertriebler ist, der sein Vertriebsgebiet hier irgendwo hat und sagt: He komm, bevor ich dann jedes Mal in die Firma fahre oder bevor ich mich zu Hause hinsetze, probieren wir doch mal ein Home-Office aus. Nicht? Also das ist schon auch so ein Part, den wir da einfach mal mit ausprobieren lassen wollen. Und dann natürlich eben alle die Freiberufler, denen jetzt schon die Decke auf den Kopf fällt. Wie gesagt, wir möchten hier in ein Büro gehen. Aber wir möchten nicht einfach nur in ein Büro gehen irgendwo ganz weit draußen. Sondern wir möchten uns vernetzen. Und das ist halt so der Hauptgedanke.  

 

B2: Dieser spontane Austausch und die Vernetzungsmöglichkeiten, die Co-working halt bietet, das ist halt ein absoluter Mehrwert zu Home-Office. Es ist halt wirklich, ich kann halt jeder Zeit jemanden ansprechen der da irgendwie auch sitzt. Und das muss meist noch nicht mal jemand sein, der irgendwie vom Fach ist oder irgendwie genau versteht, was ich da/  

 

I: Das ist einfach eine andere Perspektive dann.  

 

B1: Genau  

 

B2: Ja genau. Einfach eine andere Perspektive. Und dann bringt der dir meistens auch nicht die Lösung.  

 

B1: Vielleicht eine neue Frage.  

 

B2: Er redet mit dir. Bringt dir einfach/ Genau, stellt vielleicht die richtige Frage, wo bei dir plötzlich etwas passiert im Kopf und du auf einmal in der Lage bist, um die Ecke zu denken, wie man so schön sagt.  

 

I: Was ich mir dabei gedacht habe: Diese Großraumbüros, zum Beispiel in irgendeiner Firma, da sitzen immer die gleichen Leute dann drin. Meinetwegen eine ganze Abteilung voll Buchhalter.  

 

B1: Ja genau.  

 

I: Statt die Firma mal hergehen würde und würde sagen: Wir würden gern mal da mischen da drin.  

 

B1: Aber das ist jetzt zum Beispiel auch was, was man im Co-working Space ausprobieren kann.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B1: Also bevor ich so virtuelle Teams/ Ich kenne auch ganz viele Leute, die arbeiten also aus dem IT Bereich, die arbeiten in virtuellen Teams. Da sitzt halt einer in München, einer sitzt in Hamburg, einer in Leipzig, einer sonst wo. Die treffen sich alle paar Monate mal. Und das machen sie dann zum einen/ da bietet sich jetzt hier Erfurt an der Stelle natürlich auch wieder an. Die können gern bei uns mieten.  

 

I: Ja  

 

B1: Auf der anderen Seite ist es halt, wenn ich so virtuelle Teams habe, ist der Austausch ja schon da. Aber er ist halt immer virtuell.  

 

I: Mhm (bejahend)  

 

B1: Und wenn ich mir jetzt als Firma ein Thema vornehme, also man kennt das zum Beispiel von so Six Sigma Projekten. Die holen ja dann auch immer Leute aus verschiedenen Abteilungen und setzen die zusammen. Eben um mal das komplette Problem oder Thema aufzugreifen. Und das kannst du in einem Co-working Space auch einfacher machen. Also statt, dass du dein Büro einfach umräumst und sagst: Jetzt hole ich mir einen aus der Buchhaltung. Wir machen jetzt den Meeting Raum weg. Da kommt einer aus der Buchhaltung rein, einer aus dem Personalbereich, einer von da, einer von da. Das kannst du auch einfach in einem Co-working Space upgraden.  

 

I: Und die Hälfte ist schon genervt, weil er dorthin gehen muss. Weil er sagt: Jetzt soll ich da noch hingehen. Und so ist es jetzt, so zu sagen, aus der Zufälligkeit heraus.  

 

B1: Genau richtig.  

 

I: Das legen wir als Spiel aus.  

 

B1: Genau. Ob das das jetzt eine Firma ganz gezielt macht, oder ob einfach jemand sagt: Ich möchte da ganz bewusst hingehen, damit ich regelmäßig Menschen aus anderen Bereichen habe, weil ich das Gefühl habe ich bin seit zehn Jahren total eingeschränkt in meinem Blickwinkel. Das ist ja völlig egal. Also da sind wir für alle Schandtaten zu haben. Solange sie sich im Rahmen des Gesetzes befinden.  

 

B2: Das Spannende kann halt auch sein: Dort arbeiten ja Leute, jeder für sich, ist irgendwie meistens selbständig. Eher so Freiberufler oder Freelancer, die irgendwie ja so Einzelkämpfer sind. Und die arbeiten, was wir auch jetzt schon haben, Leute aus/ Und die arbeiten zusammen an Projekten. Und die arbeiten ja komplett auf Augenhöhe miteinander. Müssen sich spontan in den Projekten organisieren, koordinieren. Zu einer bestimmten Zeit ist mal jemand der Projektmanager oder zu einer anderen Zeit. Nicht? Also die müssen sich auf Augenhöhe aussuchen. Es gibt halt keine Hierarchien. Und das ist ja gerade so ein Thema, wo viele Firmen halt so darüber nachdenken: Hierarchien abbauen, das ist ja gerade so der Trend. So ganz hin: Wir machen flache Hierarchien. Und dann kommen sie so irgendwie gar nicht klar. Und bei uns ist es halt eben auch so ein Experimentierfeld. Weil viele Erfahrungen die wir halt machen mit unseren Freelancern und Freiberuflern, die, die in den Projekten miteinander funktionieren, wie sie agieren, wie sie reagieren, das ist ja auch übertragbar auf Firmen.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B2: Also ich kann ja da auch einfach mal schauen: Wie funktioniert das denn? Wie kann man das denn optimieren diese Zusammenarbeit? Dass die Leute eben gar keine Chefs mehr brauchen, die oben drüber so die Strippen ziehen. Sondern wie können sich/ Das ist ja dieses Thema agil. Wie schaffen das die Leute in dem einen Projekt sich so zusammen zu finden und im nächsten Projekt nimmt jemand wieder eine andere Stellung und eine andere Position ein. Also wirklich so, sehr Projekt bezogen und zeitlich unterschiedlich.  

 

I: Ja  

 

B2: Sehr agil, in agilen Arbeitsformen einfach. Nicht?  

 

I: Ihr sagt ja, ich würde sagen, das eingeschränkte. Also das ist scheinbar so ein bisschen ein Punkt auch bei dem Co-working, dass ich mal etwas lernen möchte, oder seinen Horizont erweitern möchte. Weil ihr vorhergesagt hattet, ihr macht das auch ein bisschen über die Medien. Wie habt ihr das gemacht, dass ihr dann euch da vernetzt habt? Einfach jetzt mal: He, wie machst du das? Oder so. Oder einfach: Wir arbeiten an dem Thema, kannst du mir mal helfen? Oder so. Wenn man sagt vernetzen, dann versteht man ja: Entweder arbeitet man gemeinsam an einem Projekt und hat meinetwegen einen Chat, den man da aufbaut. Oder irgendwelche virtuellen Umgebungen. Aber lernt man tatsächlich voneinander oder ist das mehr oder weniger nur Informationsaustausch?  

 

B1: Sowohl als auch.  

 

B2: Ja, sowohl als auch. Auf jeden Fall. Also bei uns ist es ja jetzt immer noch, dadurch dass die Immobilie halt noch nicht fertig ist, ist ja immer noch auf ein einmal im Monat stattfindendes Co-working/ Zumindest wo sich mehrere zusammen treffen. Sind ja auch nicht immer alle da, das ist ja alles sehr spontan. Wo die Leute sich bewusst auch treffen um sich dann wieder auszutauschen. So einen Projektstand im Prinzip abzugleichen, sich/ Nicht? Und es ist auch wirklich so: Es kommen Leute her, sitzen gerade an irgendeinem Thema und hängen da. Oder haben zwei verschiedene Möglichkeiten, wie sie jetzt weiterarbeiten. Kommen mit ihrem Projekt an und sagen: Eh Leute, so ist jetzt der Stand, was sagt denn ihr dazu? Wäre jetzt eher das oder eher das? Nicht? Was denkt ihr darüber? Sich wirklich da so dieses Feedback zu holen.  

 

I: Ja aber macht ihr dann richtig so, oder habt ihr dann vor, dass ihr sagt: So, jetzt müssen wir mal so ein Meet-up machen. Und dann sagen: So und jetzt geht es los. Oder ist das alles dann Zufall. Ich stelle mir immer so schwierig vor im Co-working Space, dass dann ein anderer sagt: He, lasse mir meine Ruhe, ich möchte noch arbeiten. Oder so. Oder stellt ihr das Team zusammen dann später?  

 

B2: Nein, die Teams finden sich ja selber.  

 

I: Aha.  

 

B2: Die wissen ja: Wer kann was. Wir unterstützen natürlich die richtigen Leute zusammen zu bringen. Wenn halt jemand sagt: Ich bräuchte jetzt hier noch mal jemanden da und dafür. Und der vielleicht noch nicht so lange im Space ist und noch irgendwie noch alle kennt. Es soll natürlich auch eine Plattform geben, sowohl virtuell als vielleicht auch im Space. Wo einfach man sieht: Wer ist alles dabei? Was machen die, was können die?  

 

I: Ja.  

 

B1: Wir werden auch ganz gezielt Netzwerktreffen machen. Also wo man wirklich einfach nur zusammenkommt um sich mal zu unterhalten und mal zu gucken: Wer ist der Gegenüber?  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B2: Wir unterstützen dann einfach, die richtigen Leute zusammen zu bringen. Dafür sehen wir uns schon auch/ das als unsere Aufgabe an. Aber wenn dann das Projekt läuft, wenn man gemeinsam einen Auftrag abarbeitet, drei, vier Leute aus der Community, dann organisieren die sich natürlich selber. Und dann machen die Treffen zusammen. Dann telefonieren die sich zusammen. Oder auch virtuell. Je nachdem, machen auch alle Teams halt/ Oder die Teams natürlich auch unterschiedlich, je nachdem welche Leute halt dabei sind.  

 

B1: Und bei Bedarf kann man dann tatsächlich auch einfach vom Space raus gehen und in ein Büro rein. Nicht? Also wenn man jetzt weiß, ja, es haben sich drei Leute oder vier zusammengefunden und die sagen: Wir haben ein Projekt, an dem arbeiten wir jetzt ein halbes Jahr oder ein Jahr lang. Es ist schön, wir möchten hier im Krämer Loft bleiben. Aber wir brauchen irgendwie unsere Arbeitsumgebung ohne das Ganze drum herum. Dann können sie sich auch einfach ein Büro anmieten. Also dafür sind die da. Also wir haben da auch keine Dreijahresmietverträge für die Büros oder so was. Das ist halt auch monatsweise kündbar oder buchbar. Und das war ja auch einer unserer ersten Gedanken, dass man sagt: Okay, wir haben den Open Space. Da kann man sich zusammenfinden. Und wenn dann ein paar Leute, die bisher als Einzelkämpfer unterwegs waren, das Gefühl haben: Ja jetzt habe ich genau die Leute getroffen, mit denen arbeite ich super gern zusammen, lass uns das mal austesten, ob wir das auf die Dauer können. Dann können die gern in ein Büro gehen. Und wenn die wollen, können die dann auch noch eine Agentur oder sonst was gründen. Also wirklich so dieses, so ein bisschen dieses Evolution darstellen, also diese Entwicklung. Genau.  

 

B2: Also aus dem Co-working Space heraus sind ja auch wirklich einige Start Ups entstanden. Nicht? Sicherlich nicht in Erfurt, sondern eher in den größeren/ also gerade Berlin, wo die ersten Co-working Space entstanden sind, sind ja wirklich aus diesen/ Co-working ist ja auch aus dem Kaffee heraus entstanden. Und die haben da zusammengesessen und die wussten: Ah, der sitzt jeden Tag da und der macht das und das. Und dann haben die sich zusammengefunden. Und daraus sind wirklich Start Ups entstanden. Weil sich einfach drei, vier Leute zusammengetan haben. Die am Anfang einfach nur zusammen sich ausgetauscht haben.  

 

I: Ich war ja bei dem/ Jetzt fällt mir der Name nicht ein. Den ich auch interviewt habe, den Schweizer, der das Buch "Co-working Space" geschrieben hat. Wie heißt der gleich wieder? Komme ich später drauf. Der hat eine Werbeagentur gegründet. "Rocket.de".  

 

B2: Ach so. Ah ja!  

 

I: "Rocket.ch". Und er hat sich auch am Anfang mit ein paar Leuten getroffen. Und hat über mehrere Jahre dort gearbeitet. Und hat auch letztendlich seine Arbeit darübergeschrieben. Und warum ich auf das Thema gekommen bin muss ich vielleicht noch kurz erzählen. Es ist eigentlich das Thema/ Schwerpunkt: Das Lernen. Also das ist ja mein Schwerpunkt: Lernen über die Technologie. Also der Studiengang E- Education/ Also E-Learning wird häufig nur verstanden, dass man irgendwo E-Learning braucht, oder so. Das ist ja jetzt der Gegenstand der Forschung: Wir beschäftigen uns mit allen Phänomen wie man über die Technologie lernen kann. Also auch bis hin über WhatsApp. Wie tauschen sich die Leute aus? Und wo kommt immer Lernen zustande mit dieser Technologie? Und wie kann man es optimal nutzen? Und da erscheint dann so, mein Exposé habe ich so geschrieben: Scheinbar gibt es den Wunsch nach realer Beziehung und Begegnung. Und das habt ihr ja jetzt gerade gesagt. Also das ist so, scheinbar so wichtig, dass die Leute nicht sagen, sie sitzen allein, so heimlich wie so ein Nerd, der dann/ ganz Wurst, ob der jetzt in der EDV Branche tätig ist, ob der ein Marketing Experte ist. Die sitzen ja alle und vereinsamen zu Hause.  

 

B2: Genau  

 

I: Ich habe das im Übrigen auch erlebt.  

 

B2: Das geht sicherlich, phasenweise ist das okay. Nicht? So für eine gewisse Zeit. Aber das ist ja auch das Schöne am Co-working Space, ich muss ja auch nicht jeden Tag kommen. Ich ja einfach auch, wenn ich sage: Nein, heute nicht. Heute will ich mal irgendwie ganz konzentriert nur was abarbeiten. Heute brauche ich keinen Input von anderen. Heute bleibe da im Home-Office. Ja? Das ist ja völlig legitim. Oder ich mache das auch mal für zwei oder drei Wochen lang. Weil ich jetzt irgendwie voll drin stecke in irgendwas. Aber für uns ist ja auch dieses Thema Lernen wir/  

 

B1: Wie lernen wir?  

 

B2: Ja genau. Wir spielen mit dem Thema Spielen.  

 

I: Ja  

 

B2: Also wir finden das sehr wichtig, einfach auch da Dinge auszuprobieren, zu experimentieren. Und deswegen auch dieses Maker Space, ganz cool. Weil es ja auch so sehr experimentell ist. Wo man einfach mal hingeht, wo man einfach mal versucht und rumbastelt und sich ausprobieren kann. Wir sagen halt auch immer so scherzhaft: Ja, Leute spielt doch einfach wieder mal ein bisschen. Nicht? Nicht nur immer nur so dieses/ Viele verstehen unter arbeiten immer nur so dieses abarbeiten. Dass sie aber eigentlich beim Spielen, beim Experimentieren, beim Reden, beim Netzwerken einfach auch, nicht, ja auch ganz viel lernen für sich, an Herangehensweisen, an Methodik oder einfach auch wirklich an Fachwissen. Das haben viele gar nicht auf dem Schirm.  

 

B1: Ganz genau. Ich glaube, es gibt auch da, muss man vielleicht noch mal unterscheiden. Also ich kenne jetzt E-Learning, beispielsweise. Kenne ich jetzt so als Vermittlung von Wissen.  

 

I: Ja  

 

B1: Und dann gibt es ja, wie man so schön sagt: Learning by Doing. Also Lernen aus Erfahrung.  

 

I: Ja, vierzig, zwanzig, zehn. Ja?  

 

B1: Genau. Und der Part fehlt dann ja komplett. Ich kriege dann das Wissen eines anderen Menschen vermittelt. Und dann ist es irgendwie schwierig, daraus mein eigenes Wissen zu machen. Also ich eigne mir dann etwas an, was jemand anderes schon herausgefunden hat. Das ist das eine. Und das andere ist: Was finde ich dann eigentlich in meinem Leben noch heraus? Ich hatte da, zum Beispiel so, als ich meine Diplomarbeit geschrieben habe, hatte ich das ganz oft. Dieses: Man, schon wieder eine Quellenangabe, eine Quellenabgabe, eine Quellenangabe. Also du schreibst schlussendlich das zusammen, was andere schon mal herausgefunden haben. Und zum Schluss: Was ist jetzt dein Part? Was hast du jetzt herausgefunden? Hast du da eine Erfahrung gemacht, von der du berichten kannst? Oder ist es jetzt einfach bloß das Zusammentragen verschiedener anderer Erfahrungen oder verschiedenen anderen Wissens. Und unsere Co-working Space, unser Krämer Loft, soll halt so ein Stück weit erlebbar machen. Also dieses: Wir wollen Learning by doing eigentlich fördern. Also da kann jeder sein Wissen, das er hat, mitbringen. Und man kann es teilen. Das ist das eine. Aber es ist dann zum Beispiel im Maker Space auch noch mal etwas anderes. Und du kannst es/ zum Beispiel rein theoretisch weißt du, kannst du ein Tutorial bei You Tube angucken, wie man so einen Kaffee Filter Tüten Halter baut. Wie man sie früher in der Grundschule immer gebaut hat aus Holz. Da gibt es Tutorials, die kannst du dir angucken.  

 

I: Ja  

 

B1: Und dann gibt es auch einen Unterschied. Dann gehst du an diese Sägemaschine. Und dann findest du es selbst heraus. Also bei Kindern ist es/  

 

I: So ein bisschen fast Optimismus (unv., dazwischenreden)  

 

Ich meine, dann findet man vielleicht auch einen anderen Weg. Dann macht man den vielleicht gar nicht dann mehr aus Holz. Sondern sagt: He, da steht ein 3D Drucker, ist viel einfacher. Ja?  

 

B2: Man weiß ja heute eigentlich auch, dass, also aus der Hirnforschung heraus weiß man ja auch, dass Lernen am besten funktioniert, wenn ich mit Begeisterung da rangehe. Nicht? Wenn ich da wirklich Lust draufhabe. Wenn ich mich das interessiert, wenn ich motiviert bin. Denn das hat ja viel auch mit Emotionen und mit Sinnen zu tun. Ja? Also wenn ich das nur über ein E-Learning an einem Bildschirm irgendein Wissen vermittelt bekomme, fehlen mir ja viele Sinne. Nicht? Es ist etwas anderes, wenn ich das wirklich spüre, wenn ich das rieche. Nicht? Wenn ich Holz rieche. Und das ist ja ein ganz anderes Erlebnis, als wenn ich mir das bei YouTube anschaue, dieses Tutorial mit den Kaffee Filter Halter. Kaffee Filter Tüten Halter, ach egal.  

 

I: Nein, das geht in die Richtung, wir sagen dazu das Planet Learning. Also du musst halt dann wieder irgendwann den Punkt haben wo du sagst: So und jetzt muss auch mal wieder etwas passieren. Du kannst ja nicht die ganze Zeit nur am Face to Face und Web Interface da sein.  

 

B2: Genau. Also E allein nur, also nur digital, das funktioniert, also meiner Sicht fehlen da die anderen Sinne.  

 

I: Da kriegst du ja da auch, also jetzt da im Studium, da geht es in eine völlig andere Richtung, Aber interessant ist das Maker Space bei Heinz Schimmer. Heinz Schimmer hieß, der aus der Schweiz, der das Buch hat. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Also für das Protokoll. Ich kann euch das dann schicken. Ich habe das Buch als/ ich habe das da drauf. Ich habe gefragt: Ja und gibt es etwas für das Handwerk? Da sagt er: Nein. Ihn hat nur die Wissensarbeit interessiert. Und da habe ich mir gedacht: Das ist ja schon ein starkes Stück, wenn man Wissensarbeit nur für die Kopfarbeit bezeichnen würde. Der Anwender hat ja kein Wissen, so zu sagen. Und dann fand ich bei euch das Maker Space und war hin und weg. Weil nämlich ein Freund von mir, der sagt, er würde gern eine Werkstatt haben. Wir kommen ja aus dem Handwerk, ich war Schreiner. Deswegen hatte ich vorhergesagt, wenn ich Zeit hätte würde ich euch helfen. Ja? Aber/  

 

B2: Wir haben halt auch das/ Das interessante bei dem Maker Space ist es ja auch, weil wir eben familienfreundlich sind. Und wir so sagen, wir haben halt dieses Spielzimmer für die Kinder. Aber das Maker Space selber will ja auch Veranstaltungen für Kinder anbieten. Also so für Jugendliche. Also dieses Thema Coding Schule. Oder eben Dinge mit/ Es können viele Kinder gar nicht mehr so/ Das stellt man immer wieder fest, dass die/ Für die ist das ein totales Highlight mit Holz/  

 

B1: Etwas selbst zu machen.  

 

B2: / mit Holz etwas herzustellen. Weil die halt heute ja natürlich sehr digital sind. Ja? Das ist schon wieder eine totale Erfahrung für die. Und das ist so ein bisschen, auch wieder von den Kindern abzuschauen und zu lernen wie begeistert die sind oder wie die sich Wissen aneignen. Also so bewusst. Diese Verknüpfung, Maker Space ist ja halt so der Spielplatz für die Großen. Aber die Kleinen dürfen halt auch und sollen auch. Also dort sollen sie sich treffen und gemeinsam auch Dinge machen. Ja, wir können, glaube ich, wieder auch als Erwachsene ziemlich viel lernen von den Kindern. Wie sie sich Wissen aneignen beim Spielen.  

 

I: Ja natürlich.  

 

B2: Na ja, das haben wir halt verlernt.  

 

B1: Genau. Ein anderer Aspekt: Wir wollen ja den Kindern/ wir haben zwar ein Kinderzimmer, wo die dann so ihre Welt haben mit ein bisschen Spielzeug und so weiter und so fort. Aber wir wollen die ja nicht da rein verbannen. Also das Ziel ist schon, dass man eine Umgebung schafft, in der ein Kind auch mal einfach zwischen den Schreibtischen durchlaufen darf, ohne dass man Pst macht. Also die sollen da jetzt nicht grölend durch die Gegend laufen mit der Trommel oder so was. Aber wir wollen auch ganz bewusst, dass die gegenwärtig sind. Und zwar nicht einfach nur, weil wir unsere Kinder ab und an mal mitnehmen wollen. Sondern tatsächlich, weil wenn man die beobachtet, weil man dann tatsächlich teilweise ganz andere Verhaltensmuster sieht. Zum einen knobeln die immer aus, wer jetzt der Master of Disaster ist in der Spielgruppe. Wer jetzt gerade das Sagen hat. Und das wechselt bei Kindern ja auch ständig. Also wenn man so vier, fünf Kinder beobachtet, ist es ganz selten, dass es da nur einen gibt der vorneweg läuft und die anderen machen einfach nur mit. Und die regeln das, ohne dass jemand das Schildchen Chef da dran hat. Und da können wir uns als Erwachsene zum Teil etwas abgucken. Und zum anderen, also wie die Strukturen überhaupt aufbauen in einer Gruppe.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B1: Einfach, dass man das mal wieder beobachtet wie das funktioniert, wenn du nicht so geprägt bist, dass du sagst: Wer ist der Chef in der Gruppe? Auf den muss ich jetzt hören. Und zum anderen auch, tatsächlich wie die Themen angehen. Also wie die ihre Lösungen finden. Also das ist wirklich dieses Learning, Lernen von den Kindern. Also wie machen die das? Und die gehen teilweise wirklich ganz andere Wege, die aber irgendwie total natürlich sind. Und die wir teilweise wirklich verlernt haben.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B1: Also wie oft Google ich etwas und gucke wie das geht, statt es einfach mal auszuprobieren, zum Beispiel.  

 

I: Ja, ja. Ja, ja.  

 

B1: Da sind wir tatsächlich schon sehr weit in unserer Wissensgesellschaft. Nicht? Also ob das jetzt immer so hilfreich ist weiß ich nicht. Aber wir möchten halt wirklich diesen Raum geben wo man das mal ausprobieren kann.  

 

I: Also so mehr in diese Richtung experimentelles Lernen so, geht das?  

 

B1: Na genau, auch das.  

 

I: Ja? Gut bei allen, so zu sagen, lernen am Kollegen. Es werden, gibt es ja die siebzig, zwanzig, zehn bestimmt. Siebzig Prozent/ Und da stellt sich ja wieder die Frage, wenn die siebzig Prozent in der Arbeit abläuft und dass trotzdem ein beschissener Laden ist, dann werden die siebzig Prozent da hinterher nicht besonders reichhaltig sein. Und für mich war die Idee Co-working Space immer so, da treffen sich motivierte Leute, haben alle einen Existenzdruck erst mal. Wir müssen ja irgendwas schaffen. Und müssen unwahrscheinlich kreativ sein. Und so dieses kreative Potential, da entsteht ja Energie ohne Ende. Also diese Energie, glaube ich, da schöpft ja jeder, der da irgendwo mitwirkt.  

 

B2: Aber ich glaube, eben auch ordentlich Reibung. Nicht?  

 

I: Ja, ja. Das ist schon klar.  

 

B2: Also wenn kreativer auch so/ Es sind ja also oft auch sehr/  

 

B1: Eigen  

 

B2: Ja. Also ich weiß gar nicht, wie ich es beschr/ Schon eigen. So. Und doch eher, oft auch extrovertierte Menschen. Ja, wo man das ausloten muss. Und wo wieder ganz neue Dinge entstehen, wenn man sich aneinander reibt. Wo das eigentlich auch okay ist. Es gibt ja viele Menschen, die gerade diese Reibung scheuen, die immer gar nicht/  

 

I: Die eigentlich gar nicht aus ihrer Komfortzone rausgehen und dann nichts mehr reden.  

 

B1: Genau.  

 

I: Die das immer als negativ, die Diskussion und Reibung als negativ empfinden. Aber eigentlich hat das ja viel Positives.  

 

I: Die dann sagen: Wir haben ein Problem und die anderen haben die Herausforderung. Ja, ja. So, das ist sowieso so.  

 

B2: Ja, und was halt gar nicht als negativ die sehen. Sondern immer nur daraus: Ich kann hier diskutieren, das ist völlig in Ordnung. Ich kann auch einen anderen Standpunkt haben. Den lege ich hier dar. Und ich streite mich hier einfach mal. Ist auch völlig in Ordnung. Und danach ist es aber auch für alle gut. Und dann lebt man halt mit dem, was da rausgekommen ist. Man muss/ ist nicht nachtragend oder irgendwie.  

 

B1: Ja, man wächst mit seinen Aufgaben.  

 

B2: Ja  

 

I: Ganz zum Schluss noch. Ich möchte euch da/ gar nicht mehr so lange/ Für mich ist aber da aber spannend: Wie schätzt ihr das Thema da, die Digitalisierung überhaupt so im Co-working Space als, ich sage mal, weil es geht ja hier da um das Lernen mit digitalen Medien bei mir speziell. Ist das noch die Szene, wo sich hauptsächlich dann EDV Leute treffen, also verschiedenster Art, also und sehr viel mit PC arbeiten? Oder seht ihr auf Grund des Maker Space jetzt da einfach auch schon ein Stück weit Erweiterung, dass man eigentlich schon einen Schritt weiter ist. Weil ich glaube, ich habe die Maker Space, irgendwo gibt es noch eine in diesem Berliner Co-working Space, glaube ich/  

 

B2: In Leipzig ist es nicht.  

 

I: In Leipzig?  

 

B2: Mhm (bejahend)  

 

I: Und in Berlin, wie heißt das gleich wieder, da dieses große? Das fällt mir auch nicht ein. Steht auch drin im Buch.  

 

B2: Na ja, es gibt mehrere Maker Space schon.  

 

I: Und in Helsinki da diese Sauna, in Helsinki. Da gibt es auch so eine Art Werkraum.  

 

B2: Ja, gibt ja verschiedene Ideen und Ansätze. Manche integrieren das in diese Labs. Und die eine sagt auch Inpag Lab. Und social Lab und Maker Space sind alle so, so fließende Übergänge auch. Nicht? Was ist hier was? Da gibt es ja gar keine klare Abgrenzung bei diesem Thema. Also bei uns ist es, glaube ich, so, dass wir nicht so die/ durch den Ansatz den wir haben, jetzt die Familienfreundlichkeit, haben wir nicht so die echten Nerds dabei, die irgendwie wirklich nur so in ihrer digitalen Blase sitzen. Haben wir nicht. Also wir haben das sehr bunt gemixt. Und sind, glaube ich, im Gegensatz zu vielen anderen Co-working Spaces doch stark Frauen auch vertreten.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B2: Andere sind doch eher Männer lastig. Und natürlich ist das Thema Digitalisierung bei uns ein Thema. Also natürlich müssen wir die Plattform schaffen, wo sich die Leute austauschen, vernetzen. Wir müssen mit Tools/ Wir müssen Tools anbieten. Oder einfach auch da beratend sein. Wie kann ich digital miteinander arbeiten? Und arbeiten selber ja dann auch mit Software. Es gibt ja auch eine Software mittlerweile, die entwickelt wurde direkt für Co-working Spaces. Nicht?  

 

I: Mhm (zustimmend)  

 

B2: Die einfach so diese ganzen Strukturen und Abläufe einfach optimieren. Es gibt auch eine Software direkt für die Community. Gibt es auch extra noch. Das ist für uns halt natürlich ein großes Thema.  

 

B1: Also ich glaube für den einen oder anderen Nerd ist die Digitalisierung halt die Digitalisierung, und wir nutzen die der Digitalisierung wegen. Also das ist wirklich so ein: Ist halt meine Welt. Und für ein paar Leute, die bei uns jetzt dabei sind, die sich da auch irgendwie, in irgendeiner Form schon interessiert haben, ist es eher so ein neues Feld. Und ich glaube, wir befinden uns dann irgendwann zwischen/ Also wir wollen ja auch, dass genau diese Leute sich unterhalten. Also dass die, alle die so ein bisschen skeptisch sind, die Möglichkeit haben da auch mal Fragen zu stellen, bei denen, für die das einfach das Non plus Ultra ist. Und ich glaube der Weg ist zum Schluss, dass man optimal nutzt. Also ich glaube/ Weißt du wie ich es meine?  

 

I: Mhm (zustimmend)  

 

B1: Also so dieses: Welche Tools sind für mich genau richtig? Welche Online Tools sollte ich nutzen, weil es für mein Business passend ist? Und welche brauche ich nicht? Und wir haben ja jetzt so die eine oder andere Erfahrung gemacht mit Menschen die sagen/ Oder besser gesagt: Nicole hat da die eine oder andere Erfahrung gemacht: Ich will meine Facebook Seite/ Ich brauche jetzt Facebook. Ich brauche jetzt Facebook und ich brauche Follower. Was weiß ich? Und die dann eigentlich gar nicht wussten warum. Weil sie mal gehört haben, das ist jetzt in, das ist jetzt digital, da muss man mit, da muss man dabei sein. Ja? Aber es ist ja nicht für jedes Business geeignet. Und ich glaube, da kann man schon tatsächlich wieder so ein verbindendes Glied wie sein. Dieses: Jetzt schaue doch mal was es gibt. Kommst bei uns vorbei. Wir haben, wie gesagt, die richtigen Nerds haben wir nicht. Für die sind wir, glaube ich, zu undigital, zu analog. Ich weiß es nicht. Aber es ist/  

 

B2: Erstens sind wir noch nicht so groß. Also wir wachsen ja auch wirklich fast täglich. Aber das Thema Digitalisierung ist ja/  

 

B1: Mittel zum Zweck einfach.  

 

B2: Also die Grundvoraussetzung für die Digitalisierung ist ja eigentlich, vorher die Strukturen zu schaffen. Eigentlich ist ja New Work ja so diese Arbeitsform, ist ja eigentlich erst mal die Basis die ich schaffen muss, um dann später eigentlich Digitalisierungsprozesse umzusetzen. Ich kann ja eigentlich nicht auf die bestehenden Strukturen, die ich habe im Unternehmen, mal eben so die Digitalisierung, also irgendwie Hardware oder Software, drüber stülpen. Das funktioniert ja meistens nicht. Die Erfahrung haben ja viele Unternehmen jetzt schon gemacht. Ich muss ja eigentlich eine andere Arbeitskultur, eine andere Arbeitsphilosophie schaffen, damit das alles so funktioniert.  

 

I: Ja.  

 

B2: Und deswegen, Digitalisierung ist ganz viel gar nicht unbedingt die Technik, die Innovation, die technische Innovation die dahintersteht. Sondern vielmehr auch wirklich/  

 

B1: Die Einstellung.  

 

B2: Ja genau. Wie arbeiten die Leute miteinander? Die Unternehmenskultur, Arbeitskultur/  

 

I: Ja  

 

B2: / ist die Basis eigentlich dafür.  

 

B1: Und das ist, genau, also das ist jetzt sehr schön zusammengefasst. Vielen Dank dafür. Ja genau. Ich glaube, es gibt noch immer genügend Menschen und genügend Branchen die das gar nicht einschätzen können. Also was ist jetzt eigentlich/ was ist jetzt die Digitalisierung? Müssen wir jetzt alle eine Internetseite haben? Müssen wir alle eine Facebook Seite, eine Twitter Seite und bei Instagram vertreten sein? Snapchat brauchen wir jetzt auch noch. Ich hatte mich letztens mit jemanden unterhalten der gesagt hat: Ich habe keine Ahnung was Snapchat ist. Ja? Forscht übrigens auch im Bereich E-Learning.  

 

I: Ja?  

 

B1: Fand ich auch sehr interessant in dem Zusammenhang. Aber müssen wir das jetzt unbedingt machen oder suchen wir uns jetzt wieder die Parts aus, die für mich und für mein Business genau richtig sind und die auch zu mir passen? Also ich zum Beispiel, tue mich auch bei virtuellen Sachen viel schwerer als die Nicole. Weil ich da viel skeptischer veranlagt bin. So zum Thema: Muss das jetzt jeder von mir wissen? Will das überhaupt irgendjemand wissen, was ich da, wie ich dazu stehe? Muss ich jetzt mein Mittagessen posten? Also das ist ja teilweise, sind ja schon ein paar Stilblüten dabei.  

 

I: Mhm (zustimmend)  

 

B1: Und wenn man das jetzt auf die Arbeitswelt überträgt, habe ich tatsächlich auch das schon gemerkt, was passiert, wenn eine Firma sagt: Wir sind jetzt hip. Wir machen jetzt online, bei uns kann man jetzt online chatten. Der Kunde ruft bei uns nicht mehr nur an und sagt seine Probleme. Der kann jetzt mit uns chatten. Wenn ich dann aber eine Zielgruppe habe, die jenseits der fünfzig ist, kann ich da drei Teams hinsetzen die darauf warten, dass einer mit ihnen chattet. Ja? Der über fünfzig jährige sitzt dann davor und denkt sich: Was soll ich machen?  

 

I: Mhm (zustimmend)  

 

B1: Also der ruft dann erst mal den Enkel an und fragt: Was um alles in der Welt ist eigentlich ein Chat? Und da sind wir teilweise so ein bisschen verquer. Und wie gesagt, wir sind ein Experimentierhaufen. Also das ist so prinzipiell das: Wir wollen diese Möglichkeit geben, dass die Leute experimentieren können. Und dass jetzt nur die Digitalen bei uns andocken, das ist nicht der Fall. Es sind aber auch nicht nur die Analogen. Also die, die sehr bodenständig irgendwie unterwegs sind und was zum Anfassen machen wollen.  

 

B2: Aber es ist schon auch zu spüren jetzt tatsächlich über die letzten Monate, also ich hätte da jetzt gleich einige Beispiele, wo so die Skeptiker das Thema digital durch die anderen/  

 

B1: Ja genau, das meine ich.  

 

B2: / laufen lernen. Nicht? Das ist wieder dieses voneinander lernen.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B2: Angst verlieren. Weil man sich austauscht, weil man seine Erfahrungen austauschen kann. Und da haben wir jetzt schon auch so ein paar dabei, die jetzt gerade so laufen lernen und sich jetzt auch mal trauen dieses Thema anzugehen.  

 

B1: Genau, dass meine ich. Also wir sind da jetzt nicht in irgendeine Richtung irgendwie ausgeprägter. Aber Zielsetzung ist für uns dann eben auch schon, die Leute so zusammen zu führen, dass sie sich halt gegenseitig etwas beibringen können. Nicht?  

 

I: Mhm (zustimmend)  

 

B2: Aber Digitalisierung ist letztlich, das ist ja, das eine ist: Wo präsentiere ich mich als Unternehmen. Da geht es ja wirklich viel tiefgreifender ganze Prozesse irgendwie zu digitalisieren. Firmen Zulieferer und diese ganzen Geschichten. Oder wenn ich zum Beispiel, ich bin gerade völlig ausgelastet. Warum nicht einfach jetzt mit der Konkurrenz zusammen arbeiten in dem Moment. Und dann plötzlich das digital irgendwie beschleunigt abzuwickeln. Mit einer Konkurrenz, die vielleicht auf eine ganz andere Software/ also die ein ganz anderes System haben. Und plötzlich dann die zwei Unternehmen zusammenarbeiten, weil das ein großer Auftrag ist, den der eine nicht schafft abzuarbeiten. Und plötzlich stehst du dann vor dem Problem: Wie finden die Systeme zueinander. Also das sind ja solche Herausforderungen. Aber das ist ja wieder eigentlich die Struktur, die dann dahintersteht, die meistens sich im Wege steht.  

 

I: Ja das sind dann die Menschen, letztendlich.  

 

B2: Genau. Gar nicht die Technik. Die Technik kann so viel. Oft sind es eher/ die Struktur die dahinter ist.  

 

I: Ja das ist immer so. Das sind immer die Menschen. Letztendlich ist alles der Mensch.  

 

B2: Genau  

 

I: Kriegt man es immer wieder so das.  

 

B1: Ja genau. Und wenn ich halt als Firma mich dazu entschließe, dass ich neues Personal brauche und jetzt irgendwie hip sein will und sagen will: Ihr könnt auch im Home-Office arbeiten. Dann muss ich natürlich vorher meine Stechkarten abgeschafft haben.  

 

I: Ja.  

 

B1: Und ich muss vorher meine Führungskräfte so weit haben, dass die sagen: Ich vertraue meinen Mitarbeitern. Ich muss nicht gucken, dass der von wirklich von 9 bis 18 Uhr in seinem Büro sitzt.  

 

I: Der entdeckt dann seine Führungsposition, aber da müsste der weg von/ Ich verstehe schon was ihr meint da.  

 

B2: Ja und Leute eben zu führen, indem ich Zeiten stechen lasse und immer nur kontrolliere. Sondern sie zu motivieren, zu begeistern für die große Vision die man halt hat. Indem sie begeistert sind/  

 

I: Die die Arbeit ja zu Hause dann auch noch mit gedanklich. Und wer hält diese Zeit fest? Mal bist du im Halbschlaf zum Beispiel, (unv.)  

 

B2: Genau, genau.  

 

I: Das sage ich. Das darf ich aber jetzt nicht verwenden. Das ist ja mein Werk, habe ich zu Hause gemacht. Ja.  

 

B2: Aber das ist, glaube ich, das größte Problem, dass halt viele immer noch sehr über Kontrolle/ Ich sie kontrolliere mit dabei, oder es gibt irgendwelche Zielvereinbarungen die werden halt kontrolliert. Und wenige machen sich Gedanken darüber: Wie schaffe ich das, dass meine Mitarbeiter so begeistert von der großen Vision sind, die über allem schwebt, die Unternehmensphilosophie, die große Vision, dass sie einfach gern/ Und dann geht es eben nicht um Stechuhren, sondern weil er begeistert ist, denkt er eben ja auch in seiner Freizeit. Dann immer: Ach Mensch, das wäre doch/ Läuft er vorbei in seiner Freizeit, hat gerade so eine Idee, weil er irgend so einen Impuls gekriegt hat. Weil er so begeistert ist von der Idee. Weg von Kontrolle, hin zu Motivation, Begeisterung.  

 

B1: Oder zu Vertrauen halt.  

 

B2: Das ist, glaube ich, echt essentiell bei dem Thema, wenn ich da einfach nicht mehr so/  

 

B1: Und wenn man es jetzt weiterspinnt, bist du dann natürlich im/ Personalrekrutierung auch schon wieder auf einem ganz anderen Level. Da kannst du nicht auf den Lebenslauf gucken. Hat der jetzt diesen Standardlebenslauf, den fünfzig Prozent oder achtzig Prozent meiner Mitarbeiter haben? Sondern passt der von der Art und Weise in mein Team? Macht der jetzt etwas, was ihm Spaß macht, dann kriegt der auch keinen Burnout, wenn er dreißig Stunden die Woche zusätzlich noch drüber nachdenkt. Weil da macht es ihm Spaß. Ja? Oder ist das jemand, der genau diesen Karriereweg gegangen hat, weil er sich dazu genötigt gefühlt hat, weil das der Vater auch gemacht hat? Und eigentlich will er das gar nicht. Und da sind wir dann schon wieder bei einer ganz anderen Geschichte. Die werden wir auch in den nächsten zehn Jahren nicht bewegen. Also ich glaube ja nicht daran, dass man Menschen sehr lange extrinsisch motivieren kann. Also entweder es ist ein Mensch motiviert, oder er ist es eben nicht. Und wenn Menschen in einer Firma nicht daran glauben, dass die Digitalisierung ihnen hilft, dann kann ich denen sonst was für Lösungen aufzeigen, dann spiele ich ständig den Pausenclown und muss mit Möhrchen vor denen herlaufen, damit die mitmachen. Und das ist dann halt wieder dieses (unv. ) genau. Also sind die Leute, die ich bei mir habe, überhaupt für das geeignet, was sie tun? Sind die dahin gekommen, weil sie durch Zufall irgendwie mal da gelandet sind, als wir die Abteilung mal gegründet haben? Oder wollen die das wirklich tun?  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B1: Oder, gleiche Frage: Ist der Chef dort gelandet, weil er dazu geeignet ist, eine Führungskraft zu sein? Oder weil er der Primus Inter Pares war und jetzt einfach mal an der Reihe. Also, das ist aber dann schon wieder eine ganz andere Geschichte. Der widmen wir uns dann, wenn wir alles andere hinbekommen haben. Ja?  

 

I: Der landet aber auch nie.  

 

B1: Also es ist schon, also gerade diese Digitalisierung hat halt sehr viel mit Change zu tun. Und nicht einfach nur, indem man einen Schreibtisch wegrationalisiert und sagt: Wenn wir jetzt Desk sharing, sondern weil man hier oben anfangen muss.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B1: Und das ist halt der Punkt. Und bei uns kommen auch/ zu uns kommen auch Leute, die da Lust darauf haben, die da Interesse dran haben. Die in dieser Welt schon leben. Also jemand, der halt gern seine Stechuhr reinpackt und dann, wenn er geht sagt: Oh Gott sei Dank. Nach mir die Sintflut. Ich habe es hinter mir. Nicht? Der wird niemals bei uns landen.  

 

I: Mhm (verstehend)  

 

B1: Wir leben dann zwar auf dem gleichen Planeten, aber in völlig verschiedenen Welten.  

 

B2: Das ist sowieso sehr interessant, dass die ja wirklich alle, die bei uns im Space oder in der Community halt jetzt schon irgendwie unterwegs sind, die haben irgendwie alle ihre Vision, ihr eigenes Business und brennen halt total dafür. Das ist eine ganz andere Basis der Zusammenarbeit als eben in vielen Unternehmen, wo die Leute eben nicht so begeistert sind von dem, was sie da tun.  

 

I: Na ja, jetzt ist ja da so eine Art Aufbruchsstimmung. Das merkt man dann schon, speziell jetzt bei euch?  

 

B2: Ja  

 

B1: Und viele die jetzt bei uns sind, haben auch irgendwann schon mal einen Bruch gehabt, also so in ihrem Leben, in ihrer Karriere. Was man so klassisch als Karriere bezeichnet.  

 

I: Ja jetzt gibt es viele/  

 

B1: Und haben das halt ganz bewusst gemacht.  

 

I: / viele ganz junge oder habt ihr quer ihr quer durchgezogen?  

 

B2: Nein, also schon gemischt.  

 

I: Gemischt?  

 

B2: Mhm (bejahend) Die sind jetzt gar nicht so jung, wahrscheinlich auch durch dieses Thema Familienfreundlichkeit, haben wir jetzt gar nicht so die ganz jungen dabei. Also die Mitte zwanzig/  

 

I: Also so dreißig, vierzig, fünfzig. So in etwa?  

 

B2: Also so ab dreißig würde ich eigentlich sagen. Nicht?  

 

B1: Mhm (bejahend)  

 

B2: Also eher so/  

 

B1: Ein paar wenige die jünger sind.  

 

I: (unv. doppelte Rede ) auch nicht mehr der Jüngste, 47 bin selber, habe auch schon drei Kinder, die sind auch schon um die vierzehn, zwölf und zehn. Und das hat auch angefangen damals mit/  

 

B2: Also es sind auch ältere dabei als wir.  

 

I: / mit einem Home-Office. Das aber bevor ich dann komplett selbständig war, nach her aufgegeben. Komplett. Ich habe dann ein Büro mir gemietet. Also jetzt sitze ich allein im Büro und habe den Teufel mit dem Beelzebub ausgetauscht.  

 

B1: Und mit Kindern kommt ja tatsächlich noch mal so ein Lebenswandel. Also man lebt ja dann auch in einer anderen Welt.  

 

B2: Ja wir hatten es gerade eben, vorhin witziger Weise das Thema. Also wenn man Kinder bekommt, denkt man plötzlich auch wieder sehr stark über Werte nach. Was ist mir wichtig?  

 

B1: Was will ich meinen Kindern vermitteln?  

 

B2: Genau.  

 

B1: Und was vermittle ich denen mit meiner Tätigkeit?  

 

B2: Das ist interessant. Leute die sich wirklich mit solchen Werten beschäftigen, die gehen auch an ihr Business anders ran.  

 

I: Na ja, und mir hat das vorher, ist das aufgefallen, wenn ihr sagt, wenn die Kinder mit dabei sind. Weil ich ertappe mich, habe mich dann selbst ertappt, zu Hause, mache ich den Laptop auf, arbeite häufig weiter. Und da sagen die Kinder: Hey, gibt es noch etwas anderes bei dir, so ungefähr. Jetzt bin ich aber noch nicht einmal die Zeit zu Hause, aber weil halt das schon wieder so eine Trennung ist. Arbeit und dann erwarten die Kinder zu Hause, dass ich einfach präsent bin. Wäre es wahrscheinlich vernünftiger nicht zu Hause zu sein. Und der Punkt, glaube ich, ist der, dass wenn man das beides vermischen kann, viel mehr Raum bieten könnte. Also wenn man sagt: Arbeit und Kinderwelt, oder und Familie mischen. Und so das gibt es noch gar nicht so häufig. Also es gibt/  

 

B1: Es ist ja teilweise auch sehr schwierig. Also ich habe eine Zeit lang/ Also wenn ich zum Beispiel eine Telefonkonferenz früher von zu Hause gemacht habe, dann ging es nicht.  

 

I: Ja.  

 

B1: Du hast sie im gleichen Zimmer rumkrakelen. Aber es ist eine Frage dessen was man tut. Immer wenn ich zu Hause meinen Laptop auf habe, kommt meine jüngste Tochter und denkt, ich gucke ein Video. Die denkt ich spiele dann. Weil für sie das Laptop bedeutet: Also wenn sie das Ding anhat, dann guckt sie halt ein Video. Und wenn Mami das macht, dann mal Mami jetzt Video gucken. Und das ist halt einfach nur so, wenn man teilweise wirklich dieses Berufsleben und dieses Privatleben wirklich so weit auseinanderschiebt. Dabei gibt es ganz viele Sachen, die kann man nicht/ Also Kinder haben sehr wohl einen Anspruch darauf, dass man sich ihnen komplett widmet. Also je nachdem wie alt sie sind, haben sie halt auch unterschiedliche Anforderungen. Ich glaube, meine 16-jährige Tochter die würde sagen: Mami komm, gehe arbeiten. Habe ich hier meine Ruhe. Nicht? Während meine sechs Jährige sagt: Mama komme, spiele etwas mit mir. Das ist, im Alter ist das auch noch mal ein Thema. Aber im Großen und Ganzen, was bringen wir denn unseren Kindern damit bei wenn wir sagen: Oh Gott sei Dank, die Woche ist vorbei, jetzt habe ich Zeit für dich. Ist ja auch immer so eine Frage. Was für ein Lebensgefühl vermittelt man dann? Also es gibt ja durchaus Leute, die leben für ihren Job und die Kinder leiden nicht darunter. So wie das ja häufig tituliert wird. Und andere, die sind froh, wenn sie ihre 40 Stunden Woche rum haben und die Kinder fühlen sich völlig vernachlässigt. Also das ist auch immer so ein: Wie gehe ich mein Leben an? Also ich mag nicht fünf Tage die Woche auf das Wochenende warten. Und ich mag auch nicht nur drei Wochen im Jahr in meinen Sommerferien, in meinem Sommerurlaub leben. Und alles andere ist zu ertragen.  

 

I: Mhm (zustimmend)  

 

B1: Also und das will ich auch meinen Kindern so nicht beibringen, dass es so sein könnte.  

 

B2: Dieses Thema familienfreundlich, also wir haben da ja auch nicht die Lösung.  

 

B1: Das ist gar nicht möglich.  

 

B2: Wir versuchen, wir experimentieren da jetzt einfach. Vielleicht sind auch Dinge, die wir jetzt, wo wir jetzt Ideen haben, was wir machen wollen, vielleicht funktionieren die so auch gar nicht. Nicht?  

 

I: Aber ich würde das eine oder andere durchsetzen, sage ich mal auch so. Vielleicht ist es dann noch gar nicht die Zeit dafür. Aber was ich immer jetzt denke mit diesem familienfreundlich, das ist genauso wie Bio Obst. Ich mache jetzt mal einen Vergleich. Warum ist Bio Obst Bio Obst geheißen: Warum ist das nicht das normale Obst und das andere ist das behandelte. Und warum muss man jetzt familienfreundlich sagen? Also das ist ja die Krankheit in unserer Gesellschaft, dass wir kranke Systeme haben und dann auf einmal (kein? ) familienfreundlich und extra deklarieren müssen. Eigentlich könnten wir ja sagen, es ist ein normaler Betrieb, wo die Familien dabei sind und Kinder mit an den Arbeitsplatz kommen. Und umgekehrt, die andere muss man sagen: Familien feindliche Umgebung.  

 

B2: Ja genau.  

 

I: Das ist ja vielleicht das was da/  

 

B2: Ist, glaube ich, in anderen Ländern auch. Wie zum Beispiel Italien, ist das, glaube ich, auch eine andere Einstellung überhaupt zum Thema Familie. Da ist das ganz normal, dass die Kinder da irgendwie immer zwischen rumwuseln und/  

 

I: Ja, ja.  

 

B2: Der freut sich überall wo man hingeht/ In Italien freuen die sich total, wenn du ein Kind mitbringst. Und bei uns ist es eher so... wirst du komisch angeguckt und wird es schon beäugt, wenn dein Kind mal ein bisschen lauter ist. Das ist hier einfach so diese ganze Einstellung zu Kindern. Einerseits wird genölt, dass zu wenig Kinder geboren werden. Und andererseits sollen sie immer nur ruhig sein.  

 

I: Ja aber die wollen ja das trennen. Diese Kinder, die wollen die möglichst schnell jetzt in die Krippe bringen und dann so zu sagen, sollen sich andere drum kümmern.  

 

B1: Genau. Das war so ein Satz, also ein Thema, also das regt mich schon seit geraumer Zeit auf. Also dieses: Sobald man von Familienfreundlichkeit spricht, wird sofort das Thema Kinderbetreuung genannt. Also das geht immer damit einher: Wie kann ich möglichst schnell, möglichst lange meine Kinder weg organisieren? Das ist bei uns familienfreundlich. Und das hat für mich nichts mit Familienfreundlichkeit zu tun. Was sich mir dann die Frage stellt: Warum soll ich mir eigentlich Kinder anschaffen, wenn ich mir dann nur einen Kopf drum machen muss, wie ich die möglichst lange und möglichst schnell wieder weg organisiere? Also das ist irgendwie so eine schizophrene Herangehensweise. Aber ich habe keine Ahnung, wie es für andere Menschen funktioniert. Ich versuche noch herauszufinden, wie es für mich funktioniert. Und dass funktioniert alle paar Jahre anders. Es kam mit dem Eintritt in die Schule noch mal etwas anderes und das wird auch noch mal anders, wenn ich zwei Teenager Mädels zu Hause sitzen habe. Da bin ich dann wahrscheinlich froh, wenn ich die ganze Woche weg bin. Aber es ändert sich halt. Das Leben ändert sich und so müssen halt solche Modelle auch dynamisch sein. Und man muss sie verändern können. Und dann passt halt irgendwas irgendwann nicht mehr. Und vielleicht stellt man etwas/  

 

I: Für mich, dynamic space.  

 

B1: Aber vielleicht stellt man dann auch fest, dass etwas/  

 

I: Live to dynamic Space. So könnt ihr es ja nennen.  

 

B2: Na ja, wir reden ja auch immer gern nicht von Work Live Balance. Sondern von Work Live Integration.  

 

I: Ja, ja.  

 

B2: Also eben nicht, das nur so auszubalancieren, trotzdem als zwei Welten zu sehen, die man gegeneinander ausbalanciert. Sondern eher das eine mit in das andere zu integrieren. Ja?  

 

I: Ja, ja. Also das Bild, da habt ihr genau auf meiner Wellenlänge. Weil ich das ja auch total schrecklich finde, dass man, so zu sagen, ah wie schafft man das mit den Teilen und befriedigt man den? Und da ist man ständig schon wieder in einer Bringschuld. Statt man einfach sagt, alles ist in Ordnung. Aber das Lernen nicht/ den Schritt machen ja keine Selbständigen, weil sie dann meinen, sie können es schaffen, aber schaffen es dann auch nicht irgendwie. Weil das ist noch/ Also ich bin so konditioniert gewesen aus der Klinik. Erst war ich Krankenpfleger, dann Lehrer für Pflegeberufe. Und das ist ganz hierarchisch und streng gewesen. Da braucht man lange bis man da rauskommt.  

 

B1: Ja, glaube ich.  

 

B2: Ja.  

 

I: Ich glaube an der Stelle kann man jetzt/  

 

 

 

 

 

 

 

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