ePortfolio for KidZ - Studie 2014

von ZLI PH Wien

 

  • Zeitgemäßes Lernen erfordert die Verwendung innovativer Technologien. Allerdings gilt es nicht nur digitale Kompetenzen aufzubauen, sondern viele verschiedene Aspekte des Lernens und Reflektierens zu fördern, um die Voraussetzungen für die Handlungskompetenz der Lernenden zu schaffen.
  • Die ePortfolio-Studie 2014 und die Fortsetzung der Studie im Schuljahr 2015/16 versuchen die Arbeit mit E-Portfolios an Österreichs Schulen näher zu beleuchten und zeigen Kompetenzen auf, die bei der E-Portfolio-Arbeit erworben werden können.

 

  • Im Vorfeld wurde an österreichischen Schulen nach Best Practice-Beispielen gesucht, um Erkenntnisse über bestehende oder vorangegangene E-Portfolio-Projekte zu erhalten. 
  • Ausgehend von dieser Recherche wurden fünf Lehrende zu einem qualitativen Leitfaden-Interview eingeladen, um sie über die E-Portfolio-Arbeit mit ihren Schüler/innen zu befragen. Diese Interviews wurden im Zeitraum November 2014 – Dezember 2014 mit Adobe Connect durchgeführt und dauerten zwischen 30 Minuten und einer Stunde. 
  • Vorab erhielten die Interviewpartner/innen einen Interviewleitfaden. Als Grundlage für die Kategorisierung des Interviewleitfadens dienten die „Orientierungspunkte für Portfolioarbeit“ von Winter, Felix (2012). Daraus wurde ein Fragenkatalog rund um die Themengruppen Planung, Kontextdefinition, Kommunikation und Organisation für E-Portfolios erarbeitet, damit für künftige E-Portfolio-InteressentInnen ein möglichst breites Spektrum an Fragen beantwortet werden konnte. Die Fragen reichten von den Rahmenbedingungen der E-Portfolio-Arbeit, über die Aufgabenstellungen, Lernprozesse sowie Reflexionen und spannten den Bogen hin zur Präsentation, der Auswertung und den Feedbacks. Die Ergebnisse dieser Interviews wurden auf fünf eigenen Schuldetailansichten auf Mahara gesammelt und analysiert.
  • Zusätzlich dazu erstellten drei weitere Lehrpersonen, die selbst viel mit Mahara arbeiten, eigene Mahara-Ansicht zum ePortfolio-Einsatz an ihren Schulen.
  • Die ePortfolio for KidZ-Studie 2014 umfasste somit Mahara-Detailansichten von acht österreichischen Schulen
  • Die ePortfolio for KidZ-Studie 2014 wurde im Schuljahr 2015/16 fortgesetzt.
  • Es wurden vier weitere Lehrpersonen zu einem virtuellen Interview eingeladen und über Ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von ePortfolios im Unterricht befragt. Die Interviews wurden von Dezember 2015 bis März 2016 durchgeführt. Die Interviews wurden mit demselben Leitfaden geführt wie zuvor; die Ergebnisse wurden wieder auf Mahara gesammelt.
  • Somit umfasst die Studie Ende 2016 Mahara-Detailansichten über den ePortfolio-Einsatz im Unterricht von zwölf österreichischen Schulen. 
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Interview-Leitfaden.pdf (119,7K) - Download
Fragen für die ExpertInnen-Interviews
  • Durch den Einsatz von E-Portfolios haben Lehrende die Möglichkeit stark individualisierte Lernszenarien anzubieten. In diesen speziellen Lernszenarien brechen Fächer, Räume und Rollen auf. Es eröffnen sich neue Wege für fächer- und schulübergreifendes Lernen. In diesen Szenarien verstehen sich die Lehrenden vermehrt als Coaches.
  • Die Lernenden verwenden Werkzeuge und Kommunikationskanäle, die ihnen nahe sind, wodurch ihr Engagement in vielen Fällen höher ist und zu einer großen Handlungskompetenz der Lernenden führt. Es ist allerdings festzustellen, dass dieser Aspekt erst in längeren E-Portfolio-Prozessen und bei wiederholtem Einsatz voll zur Wirkung kommt. Die in der Portfolioarbeit integrierten Reflexionsphasen stellen für die Lernenden (vor allem für die ungeübten) meist eine große Herausforderung dar, dennoch werden sie nach einiger Zeit gut gemeistert.
  • Im Rahmen der E-Portfolio-Projekte, werden neben den fachlichen und digitalen Kompetenzen Schlüsselqualifikationen wie die Zusammenarbeit in Teams, das Einhalten von Abgabeterminen, eine Reflexionskultur und das „sich Organisieren können“ geschult.

In welchem Zeitraum führten Sie mit Ihren Schüler/innen E-Portfolio-Arbeit durch?

  • Alle E-Portfolio-Projekte wurden über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Dies variierte zwischen wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Zeitspannen. An einigen Schulen wurden die E-Portfolios über mehrere Jahrgänge durchgehend geführt.

Wie kamen die Lehrenden mit E-Portfolios in Kontakt?

  • Den Anstoß zum Einsatz von E-Portfolios im Unterricht gaben KollegInnen an der Schule
  • bzw. die Verwendung der E-Portfolio-Plattform Mahara im eEducation-Lehrgang an der Donau Universität Krems, der von vielen Interview-Partner/innen absolviert wurde. 

Wie wurde die E-Portfolio-Arbeit in den Klassen eingeführt?

  • Die Einführungen wurden vorwiegend in Einführungseinheiten zu Beginn der Projekte in den Computerräumen der Schule oder den Klassenräumen durchgeführt.
  • Vereinzelt wurden die Lernenden in eigens dafür vorgesehen Unterrichtsgegenständen wie z. B. Web-Design mit den Techniken vertraut gemacht.

Rahmenbedingungen: Wo wurde gearbeitet, in der Schule oder zuhause?

  • Im Pflichtschulbereich wurde hauptsächlich im Unterricht an den E-Portfolios gearbeitet.
  • An weiterführenden Schulen gleichermaßen im Unterricht sowie auch von zuhause aus.

Wie groß war der Aufwand der Lehrenden?

  • Der Einarbeitungsaufwand in die Software wurde von den meisten Lehrenden im Studium bewältigt, ein Teil der Lehrenden erhielt Hilfe von erfahrenen KollegInnen.
  • Ein großes Zeitpensum wurde vorab für Überlegungen zum gesamten Aufbau der E-Portfolio-Arbeit, den Arbeitsplänen, dem Unterrichtskonzept und den Bewertungssystemen in Anspruch genommen.
  • Ein Teil der Vorbereitungszeit floss in organisatorische und administrative Aufgaben. Dazu zählen das Freischalten einer Mahara-Instanz für die Schule oder das Anlegen der Benutzerkonten für die Lernenden.
  • Während der E-Portfolio-Arbeit nahmen das Schreiben der Feedbacks und das Eingehen auf die Anliegen der Schüler/innen großen Raum ein.
  • Zum Schluss nahmen die Evaluierung und Bewertung des E-Portfolios Zeit in Anspruch.

Welche Ziele wurde mit dem Einsatz des E-Portfolios verfolgt?

  • Die Schüler/innen sollten insgesamt zu einer größeren Eigenständigkeit, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung geführt werden. Dem Alter entsprechend wurde an komplexen Themen gearbeitet und die Ergebnisse im E-Portfolio präsentiert.
  • Die Schüler/innen sollten den Unterricht dokumentieren, damit sie am Ende des Semesters eine Art Nachschlagewerk des Erlernten besitzen.
  • Die technischen und sozialen Kompetenzen der Lernenden sollten geschult werden, sowie der sorgsame Umgang mit modernen Medien und Kommunikationsplattformen. Durch die modernen Medien sollte die Motivation der Lernenden gestärkt werden. 

Wie hoch war der Selbstbestimmungsgrad der Schüler/innen?

  • In niedrigen Schulstufen wurden die Lernenden durch genauere Anweisungen bezüglich Organisation, Struktur und Vorgehensweise in der Aufgabenstellung von den Lehrenden stärker unterstützt.
  • Mit zunehmender Dauer der E-Portfolio-Projekte und höheren Schulstufen konnte ein hohes Maß an Eigenständigkeit beobachtet werden.

Wie sahen die Aufgabenstellungen für die Lernenden aus?

  • Die Arbeitsaufträge wurden zu Beginn der Projekte (täglich, mehrmals oder einmal) mittels Arbeitsblätter, Präsentationen, QR-Codes, Apps oder Arbeitsaufträgen über Mahara oder Moodle bekannt gegeben.
  • Insgesamt waren Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeiten vorgesehen.
  • An einer Schule lösten die Lernenden auch die Gruppenfindung selbstständig.
  • Die E-Portfolio-Projekte wurden weitgehend fächerübergreifend angelegt, eines sogar schulübergreifend.

In welcher Form wurden die Lernenden zur Reflexion über die eigene Arbeit angeregt und wie sehen die Ergebnisse aus?

  • Die Reflexion der Lernenden war ein Teil der Aufgabenstellung und floss in vielen Fällen in die Beurteilung der E-Portfolios mit ein.
  • Die Reflexion war ein schwieriger Punkt für die Lernenden. Sie muss in jedem Fall geschult und geübt werden und stellte vor allem jüngere Lernende vor eine große Herausforderung.
  • Gefördert wurde die Reflexion zum Teil durch vorgegebene Reflexionsfragen, die verpflichtend beantwortet werden mussten.
  • In höheren Schulstufen (mit unterschiedlichen Niveaus) und nach mehrmaliger E-Portfolio-Arbeit waren die Schüler/innen in der Lage diese sehr gut zu meistern. Sie wurden dazu aufgefordert die Reflexionen (Eigenreflexion oder Peer-Feedback) so zu schreiben, dass sie für die betreffende Person zur Weiterentwicklung beitrage.

Wie sah die Kommunikation zwischen den Beteiligten und das Peer-Feedback aus?

  • Die Lernenden kommunizierten oft über die Online-Plattform Mahara.
  • Bei einigen Projekten wurde ein starker Austausch über zusätzliche Online-Kanäle wie Facebook und WhatsApp vermutet.
  • Die Feedbacks der Lernenden in höheren Schulstufen waren meist sehr direkt. Die Schüler/innen gaben einander stärker Feedback als in „normalen“ Unterrichtsszenarien.
  • Das Erstellen eines gehaltvollen und sachlichen Peer-Feedbacks wurde vor allem in den unteren Schulstufen als schwierig eingestuft.
  • Die Lehrenden kommunizierten mit den Schüler/innen durch die regelmäßigen Feedbacks online und direkt im Unterricht. 

In welcher Form wurde das E-Portfolio präsentiert?

  • Einzelne Teile des E-Portfolios wurden in Referaten präsentiert
  • oder in Form einer Abschlusspräsentation.
  • Aufgrund des engen Zeitrahmens und der hohen Anzahl der Schüler/innen wurden von den Lehrenden ausgewählte E-Portfolios exemplarisch vorgestellt. 

Wie wurden die Teile des E-Portfolios gesammelt und letztendlich ausgewählt?

  • Zum großen Teil fand die Auswahl durch die Lernenden statt und wurde mit den Lehrenden besprochen.
  • Die Basis für die Auswahl stellte oft die Aufgabenstellung, die von den Lehrenden vorgegeben wurde, dar. Z. B.: „Erstelle pro behandeltem Online-Tool einen eigenen Blog“. Die Länge und Auswahl der Inhalte oblag den Lernenden. 

Gab es für die Schüler/innen die Möglichkeit ihre E-Portfolio-Ansichten zu überarbeiten?

  • Die Überarbeitung war in den meisten Fällen möglich und erwünscht, sie sollte die Feedbackschleife vervollständigen.
  • Zum Teil wurde eine Überarbeitung durch Zusatzpunkte honoriert.

Wie sahen die E-Portfolios in Bezug auf Individualität und Strukturierung aus?

  • Engagierte Schüler/innen verwendeten sehr viel Zeit und Liebe für die E-Portfolios. Natürlich gab es auch Lernende die weniger Energie in die E-Portfolios investierten.
  • In den meisten Klassen konnte eine klare Entwicklung und in weiterer Folge starke Unterschiede zwischen dem Beginn der E-Portfolio-Arbeit und Arbeiten in fortgeschrittenen Klassen beobachtet werden.
  • Es sind sehr gute Ergebnisse da. Einige Schüler/innen gestalteten das E-Portfolio wie ein modernes Tagebuch in das sie viel Persönliches einbrachten, andere hatten schon beim Formulieren Schwierigkeiten.

Wie wurden die Evaluierung des E-Portfolios und die Leistungsbeurteilung gehandhabt?

  • In allen dargestellten E-Portfolio-Projekten stellte das E-Portfolio selbst einen beachtlichen Teil der Note dar.
  • Für die Beurteilung zogen einige Lehrende einen Kriterienkatalog bzw.  ein Punktesystem heran.
  • Die einzelnen Portfolios wurden mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Struktur, Reflexion, Organisation, Peergruppe, Dokumentation der eigenen Arbeit, etc.) bewertet. Ein elementarer Punkt war die Einhaltung der Abgabetermine.

 

  • Hier sind bei Klick auf die Karte die Schulen der InterviewparterInnen und Schulen mit Detailansichten (rot) sowie andere Schulen und Hochschulen in ganz Österreich abgebildet, die bereits mit Mahara (blau) oder anderen E-Portfolio Projekten (grün) gearbeitet haben.

 

 

  • Die Interviews ergaben, dass Lehrende durch den Einsatz von E-Portfolios die Möglichkeit haben stark individualisierte Lernszenarien anzubieten. In diesem speziellen Lernumfeld brechen Fächer, Räume und Rollen auf und es eröffnen sich neue Wege für fächer- und schulübergreifendes Lernen. Der Einsatz von E-Portfolios verändert und bereichert Unterrichtsszenarien in mehrfacher Form. Die hier vorliegenden Ergebnisse beziehen sich einerseits auf die Struktur und Rahmenbedingungen, andererseits auf die Unterrichtsplanung und dessen Verlauf.
  • Die Struktur und Rahmenbedingungen teilen sich im Kontext der E-Portfolio-Arbeit in vier weitere Kerngebiete auf. Sie verweisen auf das „Aufbrechen der Fächer“, das „Aufbrechen von Raum und Zeit“ und eine „Veränderung der Rollen“.

Fächer brechen auf

Fächerübergreifender Unterricht und Projektunterricht sind die meist gewählten Lehr- und Lernarrangements bei der E-Portfolio-Arbeit. Die Aufgabenstellungen vermitteln Realsituationen an denen sich die Lernenden einzeln oder in Gruppen beweisen können oder werden anhand eines konkreten Projekts abgewickelt. 

Räume und Zeit brechen auf

Auch die Lernzeit wird nicht mehr rigoros in einen 50 Minuten-Takt gepresst, denn Projekte erlauben das sinnvolle Einlegen eigener Pausen oder auch das Arbeiten am Computer, sei es nun von zu Hause oder an beliebigen Orten. Diese Veränderung betrifft genauso die Räumlichkeiten in denen gelehrt und gelernt wird, denn der Lernprozess ist nicht nur auf das Klassenzimmer beschränkt, sondern findet in Firmen, bei Exkursionen, in Museen oder Ausstellungen statt.  

Rollen brechen auf

Der Einsatz von E-Portfolios fördert das Aufbrechen des traditionellen Rollenverständnisses zwischen Lehrenden und Lernenden. Lehrende werden vermehrt zu Lernbetreuer/innen oder Lern-Coaches, die den Lernenden beim Lernprozess unterstützend beiseite stehen. Dies fördert die zunehmende Selbstbestimmung der Lernenden und hilft ihnen Selbstvertrauen zu gewinnen.

Die Unterrichtsplanung und der Unterrichtsverlauf beschreiben unterschiedliche Prozesse und Aktionen von Lehrenden und Lernenden innerhalb der E-Portfolio-Arbeit. Sie teilen sich in acht Gebiete auf:

Prozessorientiert

  • Die E-Portfolioarbeit wird bei allen Interviewpartner/innen als prozessorientiert beschrieben. Beurteilt wird auch die Entwicklung, die die Lernenden im Laufe des Projekts durchmachen.
  • So zählt nicht allein das Ergebnis, wie zum Beispiel in einer Prüfungssituation sondern auch die Kompetenz mit Feedbacks umzugehen und daraufhin Artefakte zu überarbeiten oder das Einhalten von „Deadlines“ bis hin zu einer gelungenen Endansicht.
  • Dies fließt alles in die Note ein. Je länger die Projekte liefen und je öfter sie durchgeführt wurden, desto stärker konnten die Lernenden davon profitieren.

Kommunikativ / kollaborativ

  • Die Kommunikation und Kollaboration wird sowohl bei den Lehrenden als auch bei den Lernenden verstärkt gefördert. Lehrende erstellten gemeinsam fächerübergreifende Projekte und Aufgaben. Die Lernenden lösten verschiedene Aufgabenstellungen in Gruppen, sahen die Lernprodukte ihrer Kolleg/innen ein und konnten diesen in manchen Fällen Feedback geben und Feedback von Lehrenden oder Mitschüler/innen erhalten.
  • Die Schüler/innen verwendeten Werkzeuge und Kommunikationskanäle, die ihnen nahe sind, wodurch ihr Engagement in vielen Fällen höher war und zu einer größeren Handlungskompetenz der Lernenden führte. Dieser Aspekt kommt erst in längeren E-Portfolio-Prozessen und bei wiederholtem Einsatz dieser Art des Lernens voll zur Wirkung.

Interaktiv

  • Die Schüler/innen können auf eine Partizipationskultur zurückgreifen und auf vorhandenes Wissen im Netz zugreifen und sich Anregungen holen, um das Lösen der Aufgaben zu erleichtern.
  • Gleichzeitig unterstützen sich die Lernenden gegenseitig, indem sie ihre Ansichten freischalten. So konnte auch voneinander gelernt werden.

Engagiert / motiviert

  • Die Motivation und Engagiertheit der Lernenden hängt stark mit ihren Erfolgen zusammen.
  • In den E-Portfolios werden gelöste Aufgaben sichtbar und entsprechend präsentierte Artefakte vermitteln ein Erfolgsgefühl und erhöhen die Bereitschaft weiterzumachen.

Reflektierend

  • Gefundenes prüfen, reflektieren und überlegen „Was habe ich gelernt?“, „Wie kann ich dies verwerten?“, kann in E-Portfolio-Aufgaben gut und sinnvoll integriert werden. Arbeiten die Lehrenden intensiv an der Reflexionskultur der Lernenden und unterstützen diese anfänglich bei den reflexiven Aufgaben kann in der Folge gut auf diese Kultur aufgebaut werden.
  • Die eigenen Reflexionen können durch Peer-Feedbacks ergänzt werden. Auch die Peer-Arbeiten müssen vorbereitet und langsam erlernt werden, was einen langfristigen und wiederholten Einsatz von E-Portfolios sinnvoll macht.

Kompetenzorientiert

  • Im Rahmen der E-Portfolio-Arbeit werden neben den fachlichen und digitalen Kompetenzen Schlüsselqualifikationen wie die Zusammenarbeit in Teams, das Einhalten von Abgabeterminen, eine Reflexionskultur und das „sich Organisieren können“ geschult.

Selbstorganisiert

  • Obwohl die Aufgabenstellungen mehr oder weniger stark von den Lehrenden vorgegeben wurden, erreichten die Schüler/innen ein hohes Maß an Selbstorganisation.
  • Die Lernenden bewegten sich innerhalb eines vorgegebenen Gerüsts. Sie organisierten die unterschiedlichen Arbeitsschritte, ihren eigenen Aufwand und die individuelle Gestaltung der Artefakte selbst.

Individualisiert

  • Die Individualisierung kann auf zwei Ebenen beobachtet werden: einerseits durch eine Methodenvielfalt, die von den Lehrenden gefördert wurde, so entstanden Artefakte mit Powerpoint-Präsentationen, Prezis, Videos oder Bildern. Andererseits konnten die Lernenden durch eine relativ freie Aufgabenstellung ihre Interessen vertiefen und in die Artefakte einfließen lassen. 

Die vorgestellten Kernpunkte der Unterrichtsplanung und dessen Verlauf weichen kaum von den Schlüsselfaktoren zum viel geforderten „guten Unterricht“ ab, verbinden diesen aber mit einer Verbesserung der digitalen Kompetenz, da alle Ergebnisse am Computer dargestellt werden müssen. 

Forschungsergebnisse der Nachfolgestudie zum Einsatz von ePortfolios im Unterricht

Wie schon in der vorangegangenen Studie zum Einsatz von ePortfolios im Unterricht wurden auch in dieser Nachfolgestudie die reichhaltigen Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile des Einsatzes der ePortfolios klar ersichtlich.

Vorteile für Lehrende:

  • Gestaltungsmöglichkeiten der individualisierten Lehr- und Lernerfahrung
  • Rahmenbedingungen können an das jeweilige Unterrichtsfach und den gewünschten Lerninhalt angepasst werden.
  • Lehrende werden zu einer Art Coach oder Lernbegleiter/in

Vorteile für Lernende

  • Einbeziehung der eigenen Interessen, Vorlieben und Stärken
  • Selbstbestimmung und Flexibilität beim Lernen
  • Es werden neue Kommunikationskanäle genutzt. Die agierenden SchülerInnen können sich auditiv, visuell und kinästhetisch mit dem Lernstoff auseinandersetzen.

 In der Nachfolgestudie wird bekräftigt, dass die vier Kategorien:

  • Fächer,
  • Lernräume,
  • Lernzeiten und
  • Rollen der Lehrenden und Lernenden

im Hinblick auf die Unterrichtsplanung die Strukturen des Lehr- und Lernprozesses aufbrechen.

Überdies wird durch diese neue Arbeitsweise, die stark projektorientiert stattfindet, ein Kanon an Kompetenzen geschult, z.B.:

  • sich „organisieren“ können
  • arbeiten in Teams
  • sich selbst und die eigene Arbeitsweise reflektieren
  • konstruktives Feedback geben
  • soziales Lernen leben
  • selbstständig arbeiten
  • Der Einsatz von ePortfolios im Unterricht fördert Interaktivität und Reflexivität. Die Lernenden profitierten vom gemeinsamen Erarbeiten und dem gegenseitigen Feedback.
  • Feedback Geben und Nehmen kann gut trainiert werden und verbessert sich bei mehrmaligem ePortfolio-Einsatz enorm
  • In den NMS werden ePortfolios auch bei den sogenannten KEL (Kinder-Eltern-Lehrer)-Gesprächen zur Rückschau der eigenen Lernprozesse herangezogen.
  • Durch Einsicht in mittels ePortfolio dokumentierte Lernprozesse können die SchülerInnen sich über ihre persönlichen Fortschritte bewusst werden. 
  • Zusätzlich hat diese Möglichkeit der Dokumentation von Unterrichtseinheiten auch für die LehrerInnen einen enormen Nutzen.