ePortfolio for KidZ - Studie 2014

von ZLI PH Wien

Projekt

  • In der dualen Berufsausbildung wird in vielen Branchen ein Tages- oder  Wochenbericht verlangt. In diesem sollen bewältigte Arbeitssituationen niedergeschrieben und Lösungswege aufgezeigt werden.
  • In einem inklusiven Setting dokumentierten Schüler/innen mit stark differierenden Leistungsniveaus zwei Monate lang ihre Arbeitsfortschritte und Erkenntnisse der erlernten Werkstücke mithilfe der E-Portfolio-Software Mahara. 

von Karin Luidolt, MA:

  • Die Arbeit mit dem E-Portfolio zeigt, dass jedes Medium seine Vor- und Nachteile hat und generell analogen Medien weder unter- noch überlegen ist.
  • Die Entscheidung dafür oder dagegen wird weiterhin von den Lernvoraussetzungen, Zielen und Inhalten des Unterrichts abhängen (Luidolt 2013: 100).

Praktikumsbericht zum "Gesteckten Brautstrauß" (Screenshot).

 

Praktikumsbericht zum "Brautstrauß mit Naturstiel" (Screenshot).

 

Praktikumsbericht "Der gepflanzte Kranz" von Helga Schneider 

 

Praktikumsbericht zum "Brautstrauß mit Naturstiel" (Screenshot).

 

  • „Dass man es so übersichtlich hat, eigene Überschriften, das ist dies, das ist der Arbeitsablauf, da sind die Werkstoffe, da sind die Materialien. Dann kann man es so aufzählen. Und irgendwie schaut es mit Mahara besser aus, als wenn man es mit der Hand schreiben würde. Das ist halt meine Meinung.“ (Abschlussinterview, Selina, Abs. 20, 21) 

  • Viel mehr, als mit der Hand Praxisbericht zu schreiben. Und der Scheiß ist, dass mein Laptop die halbe Zeit spinnt, jetzt muss ich das alles zu Hause schreiben und daheim ist das noch mehr Arbeit. Und das ist mir echt am A... gegangen.“ (Abschlussinterview, Lisbeth, Abs. 26) 

  • „Es ist für ihn sehr interessant, und zwar aus folgenden Gründen: weil er sich das auch von den anderen anschauen kann, wie die das machen. Er kann sich auch daraus eine Mappe zusammenstellen, die er vielleicht einmal irgendwo herzeigen kann. Auch bei einem Bewerbungsgespräch. Und er würde auch sagen, sie sollen am Anfang nicht verzweifeln, für ihn war’s am Anfang auch schwer.“ (Abschlussinterview, Maximilian, Übersetzung der Gebärdensprachdolmetscherin, Abs. 14–16) 

Ziel

Die berufliche Professionalität soll dargestellt werden und kann als Grundlage für Bewerbungen dienen. 

Schüler/innen

3EF 

Gegenstände

Praktikum Floristik

Rahmenbedingungen

Zeitrahmen: 2 Monate

Technische Rahmenbedingungen: 2 Computersäle

Ort der E-Portfolio-Arbeit: In der Schule und zu Hause.

Einführung der E-Portfolios: 2 Unterrichtseinheiten am Beginn des Praktikumunterrichts.

Aufgabenstellung

Aufgabe: Die Lernenden müssen eine gewisse Anzahl an Pflichtwerkstücken erledigen. Dazu gibt es verschiedene Wahlwerkstücke, die je nach Leistungsniveau auf freiwilliger Basis erarbeitet werden. Zu jedem Pflichtthema sollte eine Pflichtview auf Mahara erstellt werden. Die Views zu den Wahlwerkstücken basieren auf Freiwilligkeit.

Einteilung: Einzelarbeiten und Gruppenarbeiten zu 3 - 4 Schüler/innen.

Überarbeitung: Die abgegebenen Mahara-Views wurden mit einem Beurteilungsbogen und einem schriftlichen Feedback versehen. Darin waren Verbesserungsvorschläge aufgelistet. Durch das Überarbeiten der View konnten Zusatzpunkte lukriert werden. 

Materialien: siehe Downloadbereich

Evaluation:

Die Gewichtung der Benotung fällt mit 50 Prozent zugunsten des E-Portfolios aus. 10 Prozent der Gesamtnote machen die abschließende Portfolio-Präsentation aus und 40 Prozent die Werkstücke. Der sehr große Zeit- und Arbeitsaufwand für die E-Portfolios soll entsprechend in die Endnote einfließen. Die Schüler/innen sind mit dieser Gewichtung einverstanden und sehen sogar einen Vorteil in der höheren Gewichtung des E-Portfolios (Luidolt 2013: 94).

Plattform:

E-Portfolio-Software Mahara

Präsentation:

Die Abschlussview wurde in Gruppen vor der Klasse präsentiert und war ein Teil der Note. Die Schüler/innen hatten die Möglichkeit die Ansichten für ihre KollegInnen freizuschalten, waren dazu aber nicht verpflichtet.

E-Portfolios:

Allgemein:

Die Schüler/innen waren anfangs begeistert und investierten sehr viel Zeit in die Portfolios. Mit zunehmender Arbeitsdichte in anderen Fächern teilte sich die Gruppe in sparsame E-Portfolio-Schreiber/innen und Lernende, die weiterhin aufwendige Portfolios schrieben. 

Strukturierung

Durch die Aufgabenstellung wurde schon eine gewisse Strukturierung vorgegeben.

Gestaltung: Die E-Portfolios wurden teilweise mit sehr vielen Bildern gestaltet. Andere Lernende bevorzugten Textvarianten mit wenig Bildern. 

Feedback:

Es bleibt den Lernenden überlassen, wie sie das Feedback verwerten wollen. Abschließend wird zu jeder eingereichten View ein schriftliches Feedback auf Mahara verfasst, das alle Vorzüge und Leistungen hervorhebt und, wenn notwendig, zu einer Überarbeitung oder Verbesserung bei dieser oder der nächsten View anregen soll. Alle Views können auch nach der schriftlichen Bewertung noch überarbeitet werden, dies muss nur bekannt gegeben werden. Im Verlauf des Projekts kristallisiert sich heraus, dass sich einige Lernende bewusst für ein mündliches und direktes Beratungsgespräch in den Praxisstunden entscheiden, während anderen die abschließenden schriftlichen Rückmeldungen genügen. Das mündliche oder das schriftliche Feedback gelten somit als die wichtigsten Hilfsmittel, mit denen der Lehrende seinen Schüler/innen sachliche Hinweise zu den Arbeitsergebnissen oder dem Leistungsstand geben kann (Luidolt 2013: 94).

Auf die Feedbacks in den Interviews angesprochen, kommen zaghafte Sympathiebezeugungen wie: „Ja, das lese ich immer. Es ist ab und zu eine Erleichterung und mir taugt das eigentlich voll, auch wenn es positive und negative Sachen gibt. Weil ich dann weiß, was ich besser machen kann. Und was ich gut gemacht habe. Und das taugt mir.“ (Abschlussinterview, Jeanette, Abs. 73, 75, 76)

Das Erheben eines Stimmungsbarometers erfolgte während des Unterrichts mittels einer Feebackwand. Die Schüler/innen klebten hier Post Its mit Wünschen, Beschwerden oder Befindlichkeiten auf, die immer in der letzten Einheit besprochen wurden.

Homepage: www.bsgf.schule.wien.at

An der Berufsschule für Gartenbau und Floristik werden die Schüler/innen in den Sparten

  • Floristik
  • Friedhofs- und Ziergartenbau
  • Garten- und Grünflächengestaltung/ Landschaftsgartenbau und
  • Landwirtschaftlicher Gartenbau
    unterrichtet. 

Das gemeinsame Lernen aller Schüler/innen unabhängig ihrer Stärken und Herkunft ist uns ein besonderes Anliegen. Durch den gezielten Einsatz wechselnder E-Learning-Arrangements versuchen wir das breitgestreute Interesse der Lehrlinge zu nutzen, um sie bestmöglich auf das Berufsleben vorzubereiten.

Beide Lehrerinnen unterrichten an der BSGF. Fau Pfyl leitete den Praktikumsunterricht. Frau Luidolt begleitete das Projekt wissenschaftlich und führte in die E-Portfolio-Software Mahara ein. Die Namen der Schüler/innen wurden in den Texten bewusst verändert, um im Sinne des Datenschutzes eine ausreichende Anonymität gewährleisten zu können. 

„Genau. Also, was mich sehr berührt hat, als ich diese Portfolios angeschaut habe: wie gerade Schüler, Schülerinnen mit Leistungsschwächen sich da ganz toll zum Ausdruck bringen können und auch was für Leistungen sie erbringen. Also, wie sehr sie sich da eingesetzt haben. Wie sehr ihre Leistungen sichtbar werden und auch für mich als Lehrerin, als Praxislehrerin, mal zu sehen, wie das bei einer Salome ist. Zum Beispiel was will sie jetzt, was macht sie jetzt, was ist in ihrem Kopf? Plötzlich wird’s für mich sichtbar, was für ein origineller Mensch sie ist. Was für ein gutes Auge sie für Gestaltungen hat, wie sie Natur ansieht. Ich sehe ihre Fotos und wie sie die darstellt, wie sie die Farben kombiniert und Formen, und plötzlich sehe ich, was ich in der Praxisstunde überhaupt nicht begriffen habe. Was will sie jetzt mit diesem Blättergewirr? Ja, wo ich irgendwie keinen Gestaltungswillen entdecken konnte und gedacht habe, sie stellt sich eine Aufgabe, die viel zu schwierig ist für sie, und dann sehe ich in ihren Fotos und wie sie das darstellt, wie sie das dann gestaltet, dass da ein ganz klares Konzept dahinter ist. Und dass sie da ein sehr, sehr gutes Gefühl hat. Es war für mich sehr beeindruckend, das wahrzunehmen. Also, dass das einfach eine Plattform ist, wo Fähigkeiten, ja das abgedroschene Wort Kompetenzen wirklich sichtbar gemacht werden können.“ (Abschlussinterview, Kern, Abs. 14)

Diese Ansicht wurden im Rahmen der Studie ePortfolio for KidZ - 2014 im Schuljahr 2014/15 vom ZLI der PH Wien erstellt.