Forschungstagebuch von Reinhard Bauer: Forschungstagebuch : „Das ist toll, wenn so viele so aufmerksam meinen Text lesen und so viele Hinweise geben“ - "Gosh!"

„Das ist toll, wenn so viele so aufmerksam meinen Text lesen und so viele Hinweise geben“ - "Gosh!"

Dieser Satz beschreibt die drei Writers' Workshops von vergangenen Freitag wohl am besten. Der Start des Experiments Förderung wissenschaftlicher Schreibkompetenz durch Writers' Workshops an der UniBW München ist geglückt!

Das neue Format wird von Gabi bis Semesterende noch in zwei weiteren Workshops mit insgesamt sechs Runden und von Peter Baumgartner und mir im Jänner 2011 mit sieben Dissertant/inn/en erprobt werden.

Vor dem ersten Workshop gab es wie bei den PLoP-Konferenzen eine eigene Shepherding-Phase (vgl. Abb. 1):

Abb. 1: Shepherding process (Lucrédio et al., 2004)

In der Vorbereitungsphase auf den Workshop wählten die Studierenden eine Person als Shepherd zur Betreuung und Unterstützung des eigenen Schreibprozesses (hier ein kleiner Unterschied zu den PLoP-Konferenzen, wo natürlich das Programmkomitee einen Shepherd auswählt bzw. ein Shepherd Präferenzen für ein eingereichtes Paper äußern kann) . Dieser Shepherd konnte auch ein/e Externe/r sein, die/der dann während des Workshops nicht anwesend sein musste. Wichtig war nur, dass die/der Autor/in der gewählten Person

  • vertraute,
  • von ihr Kritik annehmen konnte und
  • sie im Vergleich zur Autorin / zum Autor einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung hatte.

Der Präsenznachmittag war schließlich in drei kleine Workshops unterteilt. Die drei Texte stammten von Tamara Bianco (KaffeePod), Diana Jurjevic (Information Retrieval) und Marianne Kamper (Videobasierte Reflexion im Instrumentalunterricht). Der Ablauf erfolgte, wie in der Forschungsnotiz beschrieben (vgl. Abb. 2):

Abb. 2: Ablauf Writers' Workshop

(a) Jede Autorin las einen Textabschnitt vor. (b) Danach versuchte die jeweilige Autorin, ihren Text in die gesamte Arbeit einzubetten. Das war für das Verständnis nicht unrelevant, da so bereits Fragen, die bei der Lektüre im Vorfeld des Workshops auftauchten (z.B. in Hinblick auf Arbeitshypothesen) geklärt wurden. An dieser Stelle muss wohl angemerkt werden, dass in den drei Workshops zwei unterschiedliche Textsorten (Kapitel aus der Doktorarbeit bzw. Forschungsnotiz) diskutiert wurden. Handelt es sich um einen Ausschnitt aus einer größeren Arbeit, haben es die Workshopteilnehmer/innen in puncto Feedback schwerer, als wenn der diskutierte Text in sich abgeschlossen ist (z.B. Forschungsnotiz in Form eines Extended Abstracts mit eingeschränktem Umfang und vorgegebener Struktur). Aus dieser Erfahrung lässt sich der Schluss ziehen, dass den Ausschnitten aus Dissertationen unbedingt eine kurze Einleitung (1/2- bis 1-seitig) vorangestellt werden sollte, die es den Leser/inne/n und Feedback-Geber/inne/n erleichtern soll, gelungene und  verbesserungswürdige Aspekte anzusprechen. (c) Ein Gruppenmitglied fasste den entsprechenden Text aus ihrer/seiner Perspektive zusammen. Andere konnten ergänzen und die/der Autor/in bekam so bereits eine erste Rückmeldung darüber, wie der Text aufgenommen und verstanden wurde. (d) Danach konzentrierten sich die Teilnehmer/innen auf positive Aspekte in Hinblick auf Inhalt, Ausdruck und Stil. (e) Bei den darauf folgenden Verbesserungsvorschlägen und konstruktiven Empfehlungen ging es meist um die Argumentationsstruktur und den sprachlichen Ausdruck, aber auch um Tipps in Hinblick auf den Einsatz von Abbildungen. Im Zusammenhang mit der Verbesserung von Stil und Ausdruck fiel mehrmals der Name Sebastian Sick, der sich in seinen Büchern den Irrungen und Wirrungen der deutschen Sprache widmet. (f) Nach der Zusammenfassung der Diskussionsergebnisse durch die/den Moderator/in kehrte die/der Autor/in wieder in die Gruppe zurück. (g) Nun bestand für die Doktorandin/den Doktoranden die Möglichkeit, Unklarheiten in Hinblick auf das Feedback der Teilnehmer/innen zu klären. Dabei durfte die/der Autor/in den eigenen Text nicht verteidigen. (h) Am Ende des Workshops dankten alle Gruppenmitglieder der/dem Autor/in für den Text. Dies mag auf den ersten Blick seltsam anmuten, verweist aber auf einen ganz wesentlichen Aspekt der Writers' Workshops: die gift culture! Wie bereits Gabi in ihrem Blog festgestellt hat, lernen bei einem dieser Workshops nicht nur die Autor/innen der diskutierten Texte, sondern alle Teilnehmer/innen. Es geht um ein Lernen am Modell, es wird möglich, aus den "Fehlern" der anderen zu lernen.

Aufgrund meiner äußerst positiven Erfahrungen in München freue ich mich schon sehr auf die von Peter Baumgartner und mir im Rahmen des Doktorand/innen-Kollegs "Lifelong Learning" geplanten Workshops im Jänner 2011. Sehr wichtig für uns werden sicher auch die Ergebnisse der kleinen (internen) Evaluation sein, die Gabi parallel zu ihren Workshops laufen lässt. Ich denke allerdings, und das hat sich für mich während des ersten Writers' Workhop an der UniBW München ja schon bestätigt, dass das Funktionieren sehr stark vom etablierten (Lern-) Klima beeinflusst wird.

Veröffentlicht von Reinhard Bauer am 18. Oktober 2010, 12:48

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bittu
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Emilly

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Jonathan

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