Führen und Leiten im Team von Katrin Girgensohn: Die tradierten Führungsstile nach Max Weber (1864 - 1920)

Tradierte Führungsstile

 

Der autokratische Führungsstil

Was kennzeichnet den autokratischen Führungsstil?

Der autokratische Führungsstil zählt zu den von Max Weber identifizierten "tradierten Führungsstilen." Übertragen wir diesen idealtypischen Ansatz Webers auf das Führen und Leiten im Team, ergeben sich folgende Kennzeichen:

  • Strenge Hierarchie
  • zentrierte Entscheidungsgewalt und Kontrolle
  • Distanz

Entscheidungsträger:

Entscheidungsträger treffen "einsame" Entscheidungen. Sie haben die alleinige Entscheidungsgewalt inne. Der autokratische Führungsstil kann Prozesse anstoßen. Häufig ist er für Planentscheidungen notwendig. Außerdem kann er Schutzfunktionen erfüllen.

Entscheidungsempfänger:

Entscheidungsempfänger müssen dem Entscheidungsträger blind folgen. Meinungen, Haltungen und Lösungen müssen kritiklos übernommen werden. Der Austausch im Team und kreative Ansätze werden unterdrückt.

 

Der patriarchalische Führungsstil

Der Führungsstil geht auf die patriarchalische Familienstruktur zurück, in der der Vater die Rolle des Oberhauptes einnimmt. Angewandt auf die Führung in der Gruppe im Bereich des (wissenschaftlichen) Arbeitens ergeben sich folgende Merkmale dieses Führungsstils:

  • alleiniges Entscheidungsrecht der Führungsperson, das durch Alters-, Wissens- und Erfahrungsunterschied gerechtfertigt wird
  • Die Führungsperson nimmt eine "väterliche" Rolle gegenüber den "Geführten" ein, weil er neben der Entscheidungsgewalt auch Fürsorge und Verantwortung für die Entscheidungsempfänger empfindet. Im Gegenzug erwartet er Gehorsam, Dankbarkeit und Loyalität.
  • "Patriarch" sieht seine Worte als gültig und toleriert keinen WiderspruchDas geistige Potenzial der Mitarbeiter bleibt durch den "Alleinherrschaftsanspruch" der Führungsperson ungenutzt. 

      

Der charismatische Führungsstil

"Charisma": Führung anderer Menschen dank eigener Ausstrahlungskraft

Kennzeichen und charakteristische Handlungsweise des charismatischer Führenden:

  • hohes Machtmotiv
  • hohe Selbstbewusstsein
  • fester Glaube an eigene Initiativen und ausgegeichnete Redekunst
  • Darstellung einer reizvollen Vision
  • Anwendung außergewöhnlicher Maßnahmen, um diese Visionen realisieren
  • Darstellung eigener Person als kompetent und erfolgreich
  • der Ausdruck hoher Erwartungen an und hoher Zuversicht in die Geführten

 

Der bürokratische Führungsstil

  • personenunabhängiger Führungsstil
  • Vorschriften, Regeln, Gesetze, also unabänderliche Strukturen regeln den Arbeitsablauf
  • Führungsperson wird auf eine festgelegte Zeit bestimmt und ist jederzeit austauschbar
  • Durchführung der Aufgaben nach grundsätzlichem und schriftlich fixiertem Regelwerk
  • umfangreiche und detaillierte Beschreibung von Vorgehensweisen, Verwaltungsabläufen, Befugnissen, etc.

Die Vorteile

  • keine einzelne, beherrschende Führungspersönlichkeit
  • keine willkürliche Macht der einzelnen Personen, sondern Macht durch Strukturen
  • ausschließlich sachliche Kriterien stehen im Vordergrund
  • weniger Ungerechtigkeiten aufgrund persönlicher Sympathien und Antipathien

Die Nachteile

  • durch starre Regelungen Flexibiliät und Reagieren in Krisensituationen kaum möglich
  • keine Eigeninitiative und Selbstständigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. des Teams
  • geringe Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • übertriebener Formalismus und Schematismus als Grundlage der Arbeit

 „Alles gehorcht einer gesetzten Ordnung, an die sowohl Untergebene als auch Vorgesetze gebunden sind.“

(Kranich, J. (2008): Führungsmethoden und Führungsstile. S. 8. Norderstedt: GRIN Verlag)

 

Quellen:

Jung, H. (2006): Personalwirtschaft. Oldenbourg Verlag.

Jung, H. (2006): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Oldenbourg Verlag.

Simon, W. (2006): GABALs großer Methodenkoffer Führung und Zusammenarbeit. GABAL Verlag GmbH.

Hungenberg, H., Wulf, T. (2006): Grundlagen der Unternehmensführung. Springer DE.

Gruber, Claudia "Führung und Management", Universität Salzburg, WS 2008/09, S. 14

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